Lissabon, kulinarische Reise

Bacalhau, Ginja & Pastéis de nata – Food Tour Lissabon

12. Juni 2018

Lissabon gehört zu meinen absoluten Lieblingsstädten. Dort fühle ich mich einfach rundum wohl. Bekannt ist die wunderschöne Hauptstadt Portugals für seine Architektur, Kunst, Design-Szene, spannende Geschichte sowie schmackhafte Food-Szene. Bei meinen Besuchen am Rio Tejo hüpft mein Herz vor Freude beim Schlendern über kleine Märkte, Kaffeepausen in süßen Cafés, beim Fado hören in den fantastischen Bars und beim Probieren der zahlreichen leckeren Gerichte. Während einer Food Tour erlebst Du Lissabon einmal anders – hier meine Eindrücke.

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Immer dem Gaumen nach 

Lissabon, Stadtführung mit kulinarischem Angebot

10:29 Uhr in Lissabon: Der Start der Secret Food Tour durch Lissabon ist am Praça do Comércio, einem der Hauptplätze der Stadt. Die gebürtige Lissabonnerin Claudia führt uns, eine bunte Gruppe aus Australierin, Engländern und Deutschen, an diesem Tag durch die Hauptstadt. Wir sollen die authentische Küche des Landes kennenlernen und ganz nebenbei versteckte Ecken in den Stadtteilen Baixa und Mouraria kennenlernen.

Im Vorfeld meiner Buchung hatte ich bereits angegeben, dass ich zwar Fleisch esse, aber nicht so gerne Schwein. In der Kennenlern-Runde werde ich darauf angesprochen, warum ich denn kein Schweinefleisch esse. Ich werde das Gefühl einfach nicht los, dass es mittlerweile total normal ist, sich Vegan, Glutenfrei oder Paleo zu ernähren (was ich toll finde) – beim Thema Schweinefleisch aber grundsätzlich ein (radikal-) religiöser Verdacht mitschwingt.

Mit unserer Führerin verstehe ich mich blendend. Doch anstatt mich zum Thema vor der gesammelten Runde auszufragen, hätte ich es taktvoller gefunden, das Thema nicht weiter zu beleuchten und mir auch nicht vehement zu empfehlen „Ich müsse unbedingt das Schweinefleisch probieren – unbedingt.“ Nee, muss ich nicht – aber glücklicherweise waren das nur Startschwierigkeiten und im Laufe des Tages sind diese für mich unangenehmen Momente längst vergessen. Unsere Australier in der Gruppe tranken übrigens keinen Alkohol. Warum und wieso, wurde nicht weiter hinterfragt.

Ausflug in die Geschichte des portugiesischen Weins

Lissabon, Weine des Landes

Ich hatte ein spätes Frühstück und bin noch wohlig satt. Doch ich „opfere“ mich gerne und bin gespannt auf das Programm. Wie gut, dass der erste Stopp eine flüssige Komponente enthält. Normalerweise trinke ich keinen Alkohol vor 16 Uhr, doch ich mal meine Ausnahme und zippe am ausgeschenkten Portwein in einem wohl sortierten Weinladen.

Ich kenne die Weinanbaugebiete in Portugal sehr gut und besuchte bereits Porto auf den Spuren der Geschichte des Portweins. Doch so richtig warm werde ich mit dem Süßwein nicht. Den einzigen Dessertwein, den ich sehr gerne mal trinke ist der weiße Dessertwein Monbazillac aus Südwest-Frankreich.

Allerdings besteht die Weinproduktion in Portugal nicht mehr nur aus Portwein. Glücklicherweise gibt es für jeden Geschmack einen ausgezeichneten Wein. Und wenn ich mal ehrlich bin: Portwein zählt sicherlich zu jenen Weinen, die man getrost im Regal stehen lassen kann (Portweinliebhaber verzeihen mir bitte an dieser Stelle).

Bifana und andere Häppchen

Lissabon, Speisen für zwischendurch

Beim nächsten Stopp handelt es sich um einen unscheinbaren Eck-Imbiss. Darin finden gerade einmal eine handvoll Hungrige Platz. Hinter dem Tresen steht ein Mann mit Kochschürze und rührt in Töpfen, die halb so groß sind wie er selbst. Hier wird Bifana serviert – Schweinefleisch im Brot. Das Fleisch wird in Gewürzen und Knoblauch in einer Sauce geschmort und dann ähnlich einem Sandwich serviert. Schnell, einfach und wohl das beliebteste portugiesische Fast Food.

Für mich gibt es frittierten Tintenfisch mit Mayonnaise. Der Fisch ist frisch und schmeckt, den Teigmantel kann man essen, muss man aber nicht. Ein paar Gewürze hätten dem Panade gutgetan. Es werden auch diverse andere Happen und Tagessuppen angeboten. Die Preise sind sehr human und ein idealer Treffpunkt für eine schnelle Mittagspause.

Street Art in Alfama und das Nationalgericht Bacalhau

Lissabon, Bacalhau im Stadtteil Alfama

Zeit für ein bisschen alternatives Sightseeing. Wir erkunden den Stadtteil Alfama, bekannt ist für seine maurische Vergangenheit, über viele Jahrhunderte der ärmste Stadtteil der Stadt und aktuell beliebter Anziehungspunkt für Designer, Künstler, Fotografen und die hippe Kreativszene Lissabons.

Enge Gassen, ein labyrinthartiges Wegenetz, bröckelnde und liebevoll restaurierte Häuserfassaden, Brunnen und Kacheln sind nur einige Merkmale des Viertels. Doch es ist vor allem die Mischung aus (noch) alteingesessenen Bewohnern und jungen Künstlern, die diesem Teil der Stadt einen besonderen Charme verleihen.

Der nächste kulinarische Spot ist ein klassisches Restaurant zum Mittagessen. Funktional und fast schon etwas kühl wirkt die Inneneinrichtung dieses Speiselokals. Das familiengeführte Restaurant serviert uns das portugiesische Nationalgericht: Stockfisch.

Anschließend schlendern wir zwischen Baixa und Bairro Alto und besuchen auf dem Weg zum nächsten kulinarischen Spot einen Fischhändler. Dort werden wir an fast jeder Ecke Bacalhau und Sardinen verkauft – auf immer gleiche Weise. Der Stockfisch gesalzen am Stück und Sardinen in der Büchse.

Bacalhau ist schon ein Phänomen. In Supermärkten, Fischläden und Delikatessengeschäften wartet, der eher tröge wirkende Fisch auf den nächsten Kochtopf. Die Portugiesen lieben ihren Stockfisch und Claudia verrät uns, dass niemand auf die Idee käme, Kabeljau frisch zuzubereiten.

Phänomen Bacalhau

Über 6 Kilogramm verzehrt jeder Portugiese im Schnitt pro Jahr an Bacalhau. Die Art der Konservierung durch Trocknen und Salzen stammt noch aus den Zeiten portugiesischer Seefahrer. Bis heute wird der Fisch so verkauft, man kann ihn im Geschäft portionsweise zersägen lassen und dann einfach nach Hause transportieren.

Dort beginnt dann die langwierige Zubereitung: zwischen einem halben Tag und zwei Tagen wird der Fisch gewässert, damit er wieder an Volumen gewinnt. Anschließend knapp unter dem Siedepunkt gekocht, damit sich Haut und Gräten leichter lösen und anschließend weiterverarbeitet. Es heißt, es gibt für jeden Tag ein Bacalhau-Rezept. Kreativität liegt den Portugiesen in jedem Fall.

Die einfache, nackte Bacalhau-Variante reißt mich nicht vom Hocke, da würde ich frischem Fisch dem Vorzug geben. Doch bestimmte Varianten wie etwa die Bolinhos de Bacalhau, eine Art Kroketten aus Kartoffeln, Ei und Gewürzen schmecken mir sehr gut.

Ginjinha – der Kurze aus Lissabon

Ginja, portugiesischer Kirschlikör

Wir legen einen weiteren Stop bei einer Obst- und Gemüseverkäuferin ein. Hier probieren wir den Kirschlikör Ginja (auch Ginjinha). Eingelegte Sauerkirschen und ordentlich Wumms steckt hinter diesem Schnaps. Dazu werden getrocknete Feigen mit Walnüssen gereicht. Die Kombination zergeht auf meiner Zunge und verlangt nach mehr. Der Likör stammt übrigens aus Lissabon und für Jung und Alt gehört der Likör zum Auftakt eines gelungenen Abends.

Käse, Wein und Fisch – Ausflug in die Regionen

Käse und Wein, Foodtour durch Lissabon

Wir haben mittlerweile die São Domingo-Kirche zwischen Rossio und der Praça da Figueira erreicht. Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert gilt als eine der schönsten Kirchen der Stadt. Nationale und königliche Feste wurden in der Kirche gefeiert, doch es schwingt auch eine düstere Vergangenheit mit. Auf dem Platz vor der Kirche, Largo  São Domingo, wurden wegen Ketzerei Verurteilte öffentlich hingerichtet.

Im April 2008 wurde an der Nordseite des Platzes das Denkmal Lisboa, Cidade da Tolerância enthüllt. In 34 Sprachen wird Lissabon als Stadt der Toleranz beschrieben. Mit dem Denkmal bittet die Stadt Lissabon um Vergebung, das Massaker von 1506 an den jüdischen Bewohnern nicht verhindert haben zu können.

Zum Grande Finale und vorletzten Foodie Spot kehren wir im nahe gelegenen dunkelroten Palácio da Independência ein. Nun haben wir etwas Zeit, die Eindrücke unseres Stadtrundgangs sacken zu lassen. Wir nehmen an einer langen Tafel Platz und Kellner sorgen ab sofort für unser leibliches Wohl.

Auf dem Weg zum Palast der Unabhängigkeit besorgte Claudia für uns verschiedene Käsesorten aus der Milch von Kühen, Schafen und Ziegen sowie Schinken vom „schwarzen“ (iberischen) Schwein. Diese Leckereien werden uns nun als Vorspeisen zusammen mit frisch gebackenem Brot (Portugiesen lieben Brot) und begleitenden Weinen serviert.

Der Schinken wird gelobt und ist schnell weg. Ich halte mich an die vorzügliche Käseplatte und Marmelade. Die Marmelada besteht aus Quitten und soll ursprünglich aus Portugal stammen, bevor sie nach Frankreich kam und vor dort aus die Welt eroberte. Besonders eine Art Ziegenfrischkäse, Queijo Fresco und der halbfeste Käse aus Azeitão überzeugen mich.

Pastéis de Nata – kann ein Törtchen Sünde sein?

Pasteis de Nata, Lissabon kulinarisch

Etwas Süßes zum Nachtisch muss einfach sein. Ich versuche immer etwas Platz für den runden Abschluss zu reservieren – das klappt mal mehr mal weniger gut. Doch am Dessert erkenne ich sofort, ob eine Küche es versteht, einer kulinarischen Reise das Tüpfelchen auf dem I zu verleihen.

Nun ist unser nächster Stopp zwar keine typische Nachspeise, allerdings wäre eine Food Tour durch Lissabon ohne dieses sündhafte Törtchen einfach unperfekt. Wir treffen in einem Café ein, indem ausschließlich Pasteís de Nata, Puddingtörtchen mit Zimt serviert werden.

Blasse Blätterteigförmchen werden mit einer gelben Flüssigkeit befüllt,verschwinden im Backofen und kehren goldgelb gebräunt und himmlisch duftend zurück. Die Herkunft der Törtchen geht auf ein Mönchskloster im Stadtteil Bélem zurück. Dort wurden die Blätterteigtörtchen bestehend aus Eigelb, Zucker, Milch und Mehl bereits vor dem 18. Jahrhundert hergestellt. Ich finde, etwas das seit mehreren Jahrhunderten in aller Munde ist, kann doch nur gut sein.

13:29 Uhr: Kugelrund und wohlgenährt nehmen wir Abschied vorneinander. Ich habe vieles über die portugiesische Küche erfahren und dabei tolle Ecken Lissabons entdeckt.

Deine Secret Food Tour durch Lissabon findest Du auf: secretfoodtours.com

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