Peru Reisetipp: Regenwald Pacaya Samiria

Wildes Peru: Im Spiegelwald des Naturschutzgebiets Pacaya Samiria

19. Dezember 2019

Schweißperlen rinnen von der Stirn. Tropfen von der Nasenspitze aufs Kinn, hinab ins Dekolleté. Ein Luftstrom kühlt ab. Nochmal anstupsen. Hin und her wippen. Fällt aber schwer. Bei 29 Grad Celsius, 95 Prozent Luftfeuchtigkeit und langärmeligem Shirt und Hose, zum Schutz vor Moskitos. Der Öko-Ventilator, eine Hängematte auf der Veranda meines Bungalows, ist während meiner viertägigen Dschungel-Exkursion mein bester Freund. Belustigt schaue ich den gelb-schwarzen Gelbbürzelkassiken bei ihrer Flugshow zu, wie sie von Palme zu Palme schwirren. Trällernd ihre beutelförmigen Nester schmücken. Ich mag es hier. Und nein, ich hänge nicht nur faul in den Seilen. Mehr darüber, was ich in Perus Amazonas-Regenwald erlebte und was es mit dem „Spiegelwald“ auf sich hat, in diesem Reisebericht.

[Hinweis: Dieser Artikel enthält unbezahlte Werbung. Anreise, Aufenthalt und Programm sind selbst organisiert und bezahlt.]

 

Pacaya Samiria – irgendwo im Amazonasbecken

Nauta Bootsfahrt Pacaya Samiria

Überschaubar sind die Wege, um ins Nationalreservat Pacaya Samiria zukommen. Zuerst geht’s von Lima nach Iquitos.

Iquitos liegt im Nordosten Perus, im Departamento Loreto, an der Grenze zu Brasilien und Kolumbien. Die Metropolregion mit rund 450.000 Einwohnern liegt am Amazonas-Ufer und ist lediglich auf dem Luft- oder Flussweg zu erreichen.

Die 1.000 Kilometer Luftlinie von Lima nach Iquitos überwinde ich mit dem Flieger. Du kommst ebenso mit dem Frachtschiff hin. Sie verkehren zwischen Yurimaguas und Iquitos. Dauer? Ab drei Tage. Manchmal sogar eine Woche. Mit Schlafplatz in der Hängematte und einfachen sanitären Einrichtungen. Wenn Du diese Anreise wählst, bring Zeit mit. Ob und wann der Frachter abfährt oder ankommt? Unsicher. Für die Bewohner, die entlang der Flüsse Marañón und Ucayali leben, ist es die einzige Verbindung zur Außenwelt.

Von Iquitos zur Regenwald-Lodge

In der Lobby meines Hotels in Iquitos warte ich auf meinen Transfer zur Pacaya Samira Amazon Lodge. Sie liegt vor den Toren des Naturschutzgebiets.

Hinter mir liegen bereits drei Tage in einer Lodge am oberen Amazonasfluss. Außerdem eine Nacht in Iquitos. Mein Eindruck von der Metropole? Kann ich noch nicht sagen. Eigentlich möchte ich schnell weg. Das Geknatter der zahlreichen Mototaxis (peruanische Tuk Tuks) nerven mich. Ebenso das Wirrwarr, das aggressive Gehupe beim Versuch die Straße zu überqueren und die herumliegenden Müllsäcke an der Uferpromenade. Peru bereise ich seit 2008, lebte und arbeitete eine Zeit in Arequipa. Allerdings ist es mein erstes Mal in Iquitos. Und die Stadt verlangt mir viel ab.

Ein Natur-Guide muss es sein

Gegelte Haare, Lederjacke, Golduhr – das soll er sein? Mein Natur-Guide für die nächsten Exkursionstage? Pünktlich ist er, immerhin. Hilft mir mit meinem Gepäck, setzt dann ein künstliches Lächeln auf. Sympathie auf den ersten Blick ist das nicht. Wie falsch ich mit meiner Einschätzung liege, ahne ich nicht. Ich bin gerade dabei einen neuen Freund zu gewinnen. Wir werden uns über Kunst und Bücher unterhalten. Tauschen Lesetipps aus.

Unter seinen Lieblingsbüchern sind meine:“ Der kleine Prinz“ (gibt es jemanden der das Buch nicht mag?) und „Veronika beschließt zu sterben“ (Wahnsinn, das kann er doch nicht wissen, oder?).  Wir können sachlich diskutieren. Sein Sternzeichen ist Waage, meins Löwe. Wir schwimmen auf einer Welle. Und später sogar mit Delfinen.

 

Pacaya Samiria Amazon Lodge – auf zur Unterkunft

Fahrt zwischen Iquitos und Nauta

Para! Halt! – möchte ich laut aufschreien. Ich klammere mich am Innentürgriff des klapprigen Jeeps auf der Hinterbank fest. Echt jetzt? Wo hat der denn seinen Führerschein gemacht? Der Fahrer mit graumeliertem Haar, lächelte zur Begrüßung so nett. Nun entpuppt er sich als Rowdie und Schlagloch-Slalomfahrer. Zweihändig, einhändig, freihändig. Wir heizen über die einzige Straße im peruanischen Amazonasbecken. Eine knapp 100 Kilometer Asphaltstraße verbindet die Städte Iquitos und Nauta. Was hier gerade passiert? Die reinste Zumutung für schlechte Beifahrer, wie mich.

Highway to Hell?

Im Stadtverkehr von Iquitos geht es noch gesittet zu. Überholmanöver sind schwierig, die Straßen verstopft mit Motorrädern und Mototaxis. Doch jetzt, über Land, steht der Fahrer auf dem Gaspedal. Unterhält sich angeregt mit meinem Guide. Hupt beiläufig Mini-Combis aus dem Weg und rast haarscharf an helmlosen Motorradfahrern vorbei.

In den ersten zehn Minuten unserer Fahrt erläutert mir der Guide die immens spannende Geschichte Iquitos (Kautschukboom!). Ich lausche gerne. Doch jetzt, lasst mich bitte einfach in Ruhe. Mein Blick haftet am Horizont, sucht panisch Fixpunkte am vorbeisausenden Autofenster. Irgendwie den Brechreiz unterdrücken. Fercho, Sie haben sich soeben Ihr Trinkgeld verzockt!

Nach 80 Minuten sind wir am Hafen von Nauta. Und ich verschwinde hastig auf die Toilette des hellblau lackierten Frachtschiffes am Marañón-Ufer. Erleichtert verlasse ich die Toilette. Der Schiffsarbeiter fragt neugierig, ob ich Peruanerin sei. Nein, aus Deutschland – antworte ich gerne zurück. Mucho gusto! Er reicht mir die Hand. Nichts Ungewöhnliches. Ich erwidere. Er packt kräftig zu, zieht mich zu sich, die Lippen zum Besito gespitzt. Argh! Der Pirat ist mir zu forsch. Flink ziehe ich den Arm zurück, löse mich aus dem Klammergriff. Mucho gusto, murmle ich noch schnell, bevor ich in Windeseile zu meinem Guide zurückkehre.

Peru Lodge: Pacaya Samiria Amazon Lodge

Ab aufs Speedboat!

Orangefarbene Schwimmweste überstreifen, Fahrtwind in den Haaren spüren und über den Fluss heizen. Eine Stunde lang. Bis zum Eintreffen am Holzsteg, der zu einer Treppe führt, an dessen Ende ein leckerer Fruchtsaft auf mich wartet.

Pacaya Samiria Amazon Lodge Bungalow

Vier Tage lang wohne ich in einem zweistöckigen Bungalow (Foto oben). An meiner Außentür hängt ein Tukan. Nummer 5, Pichka in der Sprache der Gemeinde Kukama Kukamiria, steht auf meinem Schlüsselanhänger.

Pacaya Samiria Amazon Lodge Unterkunft

Nur in der ersten Nacht, bei prasselndem Regen werde ich gut und tief schlafen. Die Hitze der Tropen hält mich in den kommenden Nächten. Zudem ein nerviger Vogel, der putzmunter das Dach meiner Cabaña umkrempelt. Egal. In diesem vier Tagen fühle ich mich lebendiger als im Großstadt-Dschungel Hamburgs. Der Natur ganz nah. Zwar machen mir Moskitos das Leben schwer, die Eindrücke und Aktivitäten besänftigen den pochenden Schmerz.

 

Pacaya Samiria Nationalreservat

Peru Reiseblog

Aus meiner Zeit als Produktmanagerin bei einem Reiseveranstalter ist mir das größte Naturschutzgebiet Perus wohlbekannt. Rein theoretisch. Längst überfällig, dass ich das Gebiet erkunde.

Hier ein paar Infos:

  • Pacaya Samiria liegt zwischen den beiden großen Flüssen Marañón und Ucayali (Quellflüsse des Amazonas). Etwa 2,5 Stunden mit dem Schnellboot von Nauta entfernt.
  • Es ist das größte überflutete Waldgebiet im Amazonasbecken.
  • Überall befindet sich schwarzes Wasser. Darin spiegeln sich tropische Baumriesen und Regenwolken – der Name „Selva de los espejos“ oder „Spiegelwald“ ist zutreffend.
  • Das Schutzgebiet ist Zuhause für Amazonasdelfine, Nachtaffen, Brüllaffen, Schildkröten, Tukane, Riesenotter und Anakondas. Wenn Du all diese Tiere siehst, darfst Du doch wahrlich als Glückspilz feiern.
  • Das Nationalreservat kann nur mit Genehmigung besucht werden, also mit einem lizensierten Guide oder im Rahmen eines Lodge-Programm. Es gibt einen Checkpoint, bei dem der Guide die Gebühr entrichtet und Du Dich als Besucher registrieren musst. Fortbewegungsmittel sind Boote. Mit dem nötigen Kleingeld kannst Du eine Expeditionskreuzfahrt mit dem Schiff unternehmen. Das Schiff umfährt das Reservat, die Ausflüge ins Reservat erfolgen in kleinen Booten.
  • Innerhalb des Reservats gibt es keine Unterkünfte. Du kannst jedoch einen Abenteuertrip mit Kanu und Zelt unternehmen. Eine Woche lang durch Lagunen, Bäche und das Flusslabyrinth paddeln, fischen und dem Regenwald-Sound lauschen. Und die eine oder andere lokale Gemeinde besuchen. Ein solches Urwald-Trekking würde ich gerne einmal machen.
  • Das Thermometer schwankt zwischen 33 Grad Celsius und 21 Grad Celsius. Es gibt zwei Jahreszeiten: Regenzeit (November bis Mai) und Trockenzeit (Juni bis November). Letztere wird als „Idealzeit“ empfohlen, um Tiere zu sehen. Ich finde jedoch, jede Jahreszeit hat ihren Reiz.

 

Aktivitäten im und rund um Pacaya Samiria

Falls Du noch kein Regenwald-Programm in einer Lodge absolviert hast:

Generell gibt es mehrtägige Programme. Darin enthalten sind Vollpension und Exkursionen mit einem Natur-Guide. Idealerweise verfügen die Guides über sehr gute Kenntnisse aus den Bereichen Botanik, Ornithologie, Anthropologie und Geschichte. Die Qualität der Guides und ihre Sprachkenntnisse (seltener/teurer: Deutsch) sind von Lodge zu Lodge unterschiedlich. Ich informiere mich immer ausgiebig im Vorfeld über Programme, Lage, Aktivitäten und Philosophie der Unternehmen. Bisher bin ich damit gut gefahren und ich habe es noch nicht bereut, tiefer ins Sparschwein zu greifen.

In diesem Artikel stelle ich Dir Regenwald-Lodges in Peru vor: folgt.

Das 4 Tage/3 Nächte-Programm der Pacaya Samiria Amazon Lodge überzeugt. Ich wäre gerne länger geblieben und denke über eine Hardcore Birdwatching-Tour in der Trockenzeit nach.

Meine Regenwald-Abenteuer

Peru Regenwald Baumriese

Wanderung mit Machete durch das private Schutzreservat der Lodge

Mit Gummistiefeln durch den Matsch waten. Heilpflanzen, Giftpflanzen und Nahrungsmittel des Regenwalds kennen lernen. Durch tropisch-warmen Regenschauer in Sekundenschnelle pitschnass werden (die Kleidung braucht danach drei Tage zum Trocknen). In den Baumkronen nach Vögeln Ausschau halten. Insgeheim hoffen, die Schuppen einer Anakonda im glitschigen Dickicht zu erspähen. Sich nach zwei Stunden zurück ins Trockene wünschen. Hinter das Moskitonetz. Der Regen spült selbst das härteste Insektenschutzmittel einfach ab. Das für den Abend geplante Kaiman-Spotting lasse ich ausfallen. Mein Guide prophezeit aufgrund der letzten Regentage einen dreifachen Anstieg der Moskitoanzahl. Gracias, pero no gracias! Kaimane habe ich außerdem schon im Tambopata Research Center gesehen. Die waren ganz klein, erzähle ich am nächsten Morgen beim Frühstück. Ach, echt? Aber unsere hier im Pacaya sind üblicherweise bis zu drei Meter lang. Echt jetzt? Ein bisschen Wehmut stellt sich ein. So eine Chance lasse ich mir nicht noch einmal entgehen.

Tagesausflug Pacaya Samiria

Tagesausflug mit Boot ins Naturschutzgebiet und Tierbeobachtung

Ein Tag Zeit, um im Motorboot auf Erkundungstour auf den Flussadern von Pacaya Samiria zu gehen. Fernglas und Teleobjektiv parat. Boots- und Naturführer mit wachem Blick und aufmerksamem Gehör. Gott sei Dank, die beiden entdecken vor mir ein in den Baumwipfeln hängendes und putzmunteres Dreifinger-Faultier. Vögel, wie den Cocoireiher, Silberreiher oder Hornwehrvogel (das Einhorn unter den Amazonas-Vögeln). Fisch- und Schwarzbussard. Erspähen ein Weißbrusttukan-Paar beim Balztanz. Und erfüllen mir den Wunsch, meine geliebten Aras zu entdecken. Ein Paar Gelbbrustara neckt sich über unseren Köpfen. Bei grauem Himmel sind sie schwierig auszumachen. Später verraten weitere Gesellen ihren Streifzug über die Baumkronen des peruanischen Dschungels mit ihrem Geplapper.

Mittagessen gibt’s an Bord. Auf Klapptischen aus Holz wird eines der typischsten Gerichte des Amazonas serviert: Juane. Kurkuma-Reis mit Hühnchen, Ei und Olive, eingewickelt und gegart in Bananenblätter. Dazu Maracuya-Saft. Teller, Besteck – alles ist da. Den einzigen Müll den wir produzieren sind Servietten, die wir später in der Lodge entsorgen.

Einem vorbeipaddelnden Fischer in seinem Peke Peke (Einbaumkanus), kaufen wir frischen Fisch ab. Daraus wird am Abend ein köstliches Ceviche. Zum Nachmittag hin, als wir das Reservat verlassen, ziehen die dicken Regenwolken vorbei. Geben türkise Himmelsfetzen frei. Am nächsten Tag geht’s wieder aufs Boot. Zum Fischen.

Peru Fischer Pacaya Samiria

Piranha fischen im Amazonas-Stil

Angeln? Bisher nicht mein Ding. Aber ich entdecke meine Passion und mein Talent (!) für Einfangen zuschnappender Piranhas. Eine Auszeichnung erhalte ich zwar nicht, jedoch anerkennende Worte meiner Begleiter. Ich bin eine nützliche Frau und fange auch noch den größten Fisch von allen.

Mythen und Legenden lauschen

Peru ist ein Land, in dem jahrtausendealte Mythen und Legenden mündlich überliefert werden. Viele Geheimnisse oder besser Hypothesen, ranken um die Prä-Inka und Inka-Kultur. Schriften gibt es kaum. Für Archäologen, Historiker, Anthropologen und Ethnologen eine Schatztruhe. Und für mich. Denn ich liebe Geschichten. Lausche gerne, bin Podcast- und Hörbuch-Fan. Tue mich selbst mit der gesprochenen Sprache schwer, ziehe mich lieber mit Papier und Stift zurück. Umso mehr freue ich mich, Menschen zu begegnen, die mit Worten jonglieren können ohne mich zu langweilen. Die Szenen erschaffen, die lebendig sind, vor Energie sprühen und, denen ich die ganze Nacht lauschen möchte. Leicht zu begeistern bin ich nicht. Bei Schwätzern und sich-selbst-gerne-reden-Hörern schalte ich ab. Keine Chance.

Sonnenuntergang Peru Regenwald

Den Mythen und Legenden aus dem Regenwald höre ich gerne zu. Sie sind mir neu. Und ich möchte nicht, dass sie aufhören. Die Erzählungen vom Rosa Delfin, dem Wassermann oder dem Waldhüter mit unterschiedlichen Füßen. Manchmal gibt es sogar zwei Versionen einer Geschichte. Die originale und jene, die Missionare verbreiten.

Regenbögen zählen am peruanischen Himmel

Peru Arcoiris

Die beste TV-Show – live und in Farbe. Wolken schmücken den Himmel. Wenn Gewitterwolken weiterziehen, tut sich irgendwo meist ein Regenbogen auf. Und ich kann mich jedes Mal, wie ein  kleines Kind freuen. Während meines Regenwald-Aufenthalts gehörten Regenbögen zum täglichen Programm.

Peru Reiseblog Reisetipps

Mit Delfinen schwimmen

Wir stehen in Badesachen am Bootsrand, bereit zum Sprung ins schwarz-klare Wasser. Über uns spannt ein knallbunter Regenbogen seine Farbenpracht. Unser Bootsfahrer hat uns zu einem Seitenarm gefahren. Den Motor abgestellt. Die Strömung ist nicht ganz so stark, wie am Hauptfluss und trägt weniger Holz und Pflanzen.

Rosa und graue Delfine schwimmen um uns herum. Prusten Wasserfontänen in die Luft. Zeigen uns alle paar Minuten ihre Rückenflossen.

A la una, dos, tres!

Dann hüpfe ich. Tauche ein in den tiefschwarzen Abgrund. Lasse mich nach unten ziehen. Immer tiefer. Welch eine Ruhe. Schnappe nach einer gefühlten Ewigkeit nach Luft. Öffne die Augen. Ich könnte nicht glücklicher sein. Das ist wirklich einer der kitschigsten Momente, den ich auf Reisen erlebt habe.

Bilde ich mir das nur ein oder siehst Du auf dem linken Foto (oben) am unteren Bildrand unter der Wasseroberfläche auch die Züge eines Delfins?

 

Lust auf ein Regenwald-Abenteuer im Norden Perus?

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