Holland Nationalpark De Biesbosch Sonnenuntergang

Wildes Europa – Entdeckertour zu Hollands Nationalparks

20. Mai 2019

Kalter Watt klebt an meinen Schuhen. Auf einem E-Boot gleite ich im Abendrot durch ein Süßwasser-Delta. Feinpudriger Dünensand rieselt durch meine Finger. Hollands Nationalparks sind vielseitig und voller Überraschungen. In Europa gibt es aktuell 273 Nationalparks. Jeder Nationalpark hat seinen Charakter, beheimatet eine diverse Flora und Fauna. Was das Besondere an diesen Naturschutzgebieten ist? Folge mir auf einer Reise durch Holland. Ich stelle Dir drei Naturschönheiten vor. Von Norden bis Süden. Eine Dünen-Landschaft vor den Toren Den Haags. Ein Süßwasser-Delta unweit von Rotterdam. Und das Wattenmeer in der Nähe von Groningen. Los geht’s im Norden.

[Hinweis: Das Niederländische Büro für Tourismus & Convention hat mich eingeladen, die niederländischen Nationalparks im Rahmen einer unbezahlten Pressereise zu entdecken. Vielen Dank! Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbe- und Affiliate-Links*.]

Drei holländische Nationalparks im Überblick

Dieser Beitrag stellt Dir drei von insgesamt 20 Nationalparks in Holland vor:

  1. UNESCO-Welterbe Wattenmeer
  2. Hollandse Duinen
  3. Nationalpark NLDelta

Nr. 1: Wadentraining gefällig? Ab ins Wattenmeer!

Irritiert überfliege ich die Kleidung-Tipps. „Für das Wandern im Watt sind Socken und Sneaker verpflichtend.“ Wieso? Watt ist Watt, denke ich. Und das erkunde ich am besten zu Fuß. Oder nicht? Beim Gedanken an nasse Socken, rümpfe ich die Nase. Pflichtbewusst packe ich meinen Beutel mit Ersatz-Schuhen ein. Später werde ich es mir danken.

Himmel und Meer verschmelzen und geben eine endlos scheinende Weite frei. Wolken toben sich vergnügt am Himmel aus, kein Berg weit und breit, der sie in ihrer Kraft bremst. Das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer zieht sich grenzüberschreitend an der Nordseeküste entlang: von den Niederlanden, über Deutschland bis nach Dänemark. Ebbe und Flut prägen insgesamt 14.900 Quadratkilometer Fläche. Nichts ist beständig. Das kann beeindruckend und beängstigend zugleich sein. Besonders in Holland. Einem Land das unter dem Meeresspiegel liegt.

Watt wandern in Holland

Harm Jan Wilbrik, unser Wattführer in Paesens-Moddergat in Friesland, schreitet schnellen Schrittes voran. Wir passieren den grünen Deich mit seinen zahlreichen weißen, braunen und schwarzen Schafen. Braune Tretminen versuche ich zu umschiffen. Und gebe dies nach wenigen Metern auf. Ein Gittertor öffnet sich, fällt sanft hinter mir zu.

Wir spazieren auf einem Pier bis zum Ende und steigen ins Meer. Besser gesagt, wir sinken in Meeresboden ein. Wir sind spät dran. Noch herrscht Ebbe. Je weiter wir uns vom Pier entfernen, desto mulmiger wird mir. Zwar bin ich eine Wasserratte, orientieren kann ich mich im Wattenmeer schlecht. Darum unternehmen Watt-Neulinge am besten eine geführte Wattwanderung. Safety first!

Wir waten und stapfen durch das Wattenmeer. Der Sog des Meeresbodens ist mal stärker, mal schwächer. Priel umspült meine Knöchel. Vor mir liegt die Nordsee, drei Kilometer entfernt. In der Ferne erkenne ich eine Bohrinsel, jede Menge Containerschiffe und das Eiland Engelsmanplant. Die westfriesischen Inseln Ameland und Schiermonnikoog sind schemenhaft erkennbar, die Augen muss ich zusammenkneifen.

Meine Konzentration lässt nach. Ein anstrengender Tag, nasse Füße (die in nassen Socken stecken) und Hunger treiben mich zurück ans Festland.

Watt schmecken

Auf dem Programm steht das Sammeln von Lebensmittel aus dem Wattenmeer, wie Muscheln. Auf dieses kulinarische Erlebnis freute ich mich. Wann sonst gibt es die Möglichkeit, in den Genuss so kurzer Lebensmittel-Wege zu kommen?

Ich fröstle und sehne mich nach Wärme. Mit der Hälfte der Gruppe wate ich zurück zum Pier und Ausgangspunkt unserer Wattwanderung. Von den Ausführungen zu den schmackhaften Lebensmitteln bekomme ich nichts mit. Mein schlechtes Gewissen schwindet, als ich feststelle, dass manche Gruppenmitglieder trockenen Fußes auf unsere Rückkehr warten.

Entschädigt werden wir, wie ich finde, mit einem äußerst schmackhaften Abendessen. Muscheln säubern, Schollen zerlegen und braten. Langsam schwindet die Kälte. Harm Jan serviert eine Blumenkohlsuppe, Rotkohl mit Äpfeln, Omelett und zweierlei Ragout aus Lamm und Ziege.

Warum das Welterbe Wattenmeer besuchen?

Lieben, hassen, schätzen lernen: Über kaum ein anderes Ökosystem lässt sich so wunderbar diskutieren. Meine Wertschätzung fürs Wattenmeer kam spät. Heute verstehe ich, wie einmalig dieser Landstrich ist, der sich ständig im Schwebezustand zwischen Meer und Land befindet.

Im Watt leben Kleinstlebewesen, Muscheln, Würmer, Schnecken und Krebse. Vögel, egal ob heimisch oder auf der Durchreise, finden ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Schaue es Dir an und bilde Dir Deine Meinung.

Als wichtiger Sauerstoff-Produzent sind Regenwälder weithin bekannt. Wusstest Du, dass Algen und Tang für unseren Planeten noch wichtiger sind? Ohne diese kleinen Power-Pflanzen geriete unsere Erde ins Wanken. Sie leuchten Grün, Gold oder sind Kaffeebraun. Einige sind schmackhaft und verfeinern jedes Gericht.

Du hast Lust auf Wattenmeer? Hier stellt sich der Nationalpark Welterbe Wattenmeer vor.

 

Weitere Tipps fürs Wattenmeer

  • Ob an Land, auf dem Wasser, zu Fuß oder auf Rädern, die „Waddenzee“ lässt sich vielfältig erkunden.
  • Spannend ist ein Besuch des Nationalparks Lauwersmeer. Eine junge Landschaft, die durch den Bau eines Damms entstand und heute ein Vogelparadies ist. Auf dem ehemaligen Meeresboden finden Zugvögel auf dem Weg von Norden nach Süden und zurück, ein reiches Nahrungsangebot. Seit 2016 trägt der Park den Titel: Dark Sky Park. Sterne beobachten ist Glückssache. Eine gute Vorbereitung ist A und O.  
    • Tipp 1: Du benötigst eine rabenschwarze Nacht. Klar, oder? In den Sommermonaten wirst Du später in den Genuss des Stargazing kommen. Stelle Dir eventuell den Wecker und ziehe gegen Mitternacht los. 
    • Tipp 2: Vollmond ist schön, vermiest Dir jedoch die Sicht auf viele Himmelskörper. 
    • Tipps 3: Geh auf Erkundung mit einem Kenner oder lade Dir eine Dark Sky App herunter.

 

Wo übernachten? Auf booking.com* findest Du für jedes Budget Übernachtungsmöglichkeiten.

 

Nr. 2: Den Haags „Centraal Park“, Dünen vor den Stadttoren und ganz viel Meer

Holland ohne Radtour? Unverstellbar. Ab aufs Fiets! Unsere Tour mit einem elektrischen Rad (E-Bike) beginnt am Bahnhof Den Haag Centraal.

Rollend auf einem der unzähligen holländischen Stadt-Radwege unterwegs, erhält das Bild des „fliegenden Holländers“ für mich eine neue Bedeutung. Kapitäne*innen steuern nicht Schiffe rastlos durch die Weltmeere, sondern ihre Fahrräder durch den urbanen Dschungel.

Du möchtest Holländer zur Weißglut bringen? Geht so: Trödle auf dem Radweg, blockiere den Radweg, strecke die Hand beim Abbiegen nicht aus oder generell: sei ein Fußgänger.  

Auftanken im Haagse Bos

Nach wenigen Minuten Stadt-Rallye-Fahrt, bin ich mittendrin: im Haagse Bos (Haager Wald).

Über mir breitet sich ein grünes Blätterdach aus. Mit jedem Radschlag tauche ich tiefer in den sattgrünen Wald ein. Wie ein natürlicher Schall-Schlucker beschützen mich jahrhundertealten Bäume vor Stadtlärm. 

Mein Puls normalisiert sich, ich spitze die Ohren und nehme Geräusche des Waldes wahr. Nach wenigen Minuten, fühle ich mich wie nach einer kalten Dusche und bin hellwach. 

Meijendel – durch das größte Dünengebiet Südhollands cruisen

Mit wehenden Haaren, den Daumen am Tempomat meines Rads, cruise ich vom dichten Wald in die Naturlandschaft Meijendel. Hügelig und sandig wird es, schlagartig ändert sich die Vegetation.

Der Radweg führt an kleinen Seen vorbei und durch dichte Kiefernwälder. Beigefarbener Sand dominiert das Landschaftsbild. Genauso fühlt sich ein Tag am Meer an.

Stadtleben und Natur so dicht beieinander? Für mich bisher unvorstellbar. Ich beneide die Bewohner Den Haags um diese einzigartige Möglichkeit.

Leicht erreichbare Erholungs- und Naturschutzgebiete und die Vorteile des Stadtlebens in unmittelbarer Reichweite? Das macht Den Haag für mich unglaublich sexy!

Hier findest Du weitere Tipps zu Aktivitäten im Nationalpark Hollandse Duinen.

Tipps für den Nationalpark Hollandse Duinen

  • Zeit mitbringen! Hollands Dünengebiet ist nichts für Eilige, zudem ist das Naturschutzgebiet Meijendel ideal für Ruhesuchende und Vogelliebhaber. Zu den über 250 Vogelarten zählt die Nachtigall. Zurück aus ihrem afrikanischen Winterquartier, gibt Europas schönster Singvogel Konzerte. Täglich nach Sonnenaufgang bis in die frühen Morgenstunden singen unverpaarte Nachtigall-Männchen bis Ende Mai. Ab Juni singen Nachtigall-Männchen auch tagsüber. Kostenfrei.
  • Meijendel lässt sich am besten zu Fuß, mit dem Rad oder zu Pferd erkunden. Mit Ranger*in entdeckst Du die vielfältige Flora und Fauna des Nationalparks Hollandse Duinen. Ausgangspunkt ist das Dunea Besucherzentrum De Tapuit.
  • Für den Tag am Meer: Imposant liegt der breite Strand von Meijendel vor mir. Seele baumeln lassen geht hier wunderbar. Lediglich drei Strandzugänge ermöglichen den Besuch dieses Strandabschnitts.

 

Übernachtungsmöglichkeiten in Den Haag findest du auf booking.com*.

 

Nr. 3: Unterwegs in einem „unnatürlich“ schönen Delta – im Nationalpark NLDelta


Auf einer Landkarte siehst Du, dass das Gebiet südlich von Rotterdam ziemlich ungezügelt aussieht. Flussläufe bahnen sich ihren Weg in Richtung Nordsee.

Das Rhein-Maas-Delta ist wie das Amazonas-Delta und das Ganges-Delta ein gezeitengeprägtes Delta. Bedeutet: Fluss und Meer spielen nach der Nase von Ebbe und Flut, schaffen ein dynamisches Ökosystem.

Warum unnatürlich?

Seit Jahrhunderten leben die Niederländer mit dem Rhythmus des Wassers und all seinen Chancen und Risiken. Formen Landstriche und erschaffen Neuland für Bewohner und Durchreisende.

Zwei Spots im Nationalpark NLDelta zeigen dies deutlich: der Nationalpark de Biesbosch und das Naturschutzgebiet Scheelhoek.

Groetjes von Biber und Eisvogel – im Nationalpark De Biesbosch

Im Boot gleite ich dem Sonnenuntergang entgegen. Am Bug des elektrischen Boots teilt sich das Wasser sanft. Leise bewegen wir uns durch ein Labyrinth aus Flüssen durch das holländische Nationalpark De Biesbosch. Wir sind auf der Suche nach Bibern. An den Flussufern des größten Süßwassergezeitengebiets Europas halten sich die Nagetiere tagsüber in Burgen auf. In der Dämmerung gehen sie auf die Jagd.

Eisvögel und Blaukehlchen, See- und Fischadler, Rehe, Hasen und Füchse fühlen sich hier unweit der Stadt Dordrecht ebenfalls pudelwohl.

Vom Wasser aus kannst Du die Wasservögel prima beobachten. Sie rasten entweder auf den dünnen Binsengräsern am Ufer. Waten durch das kristallklare Wasser. Oder lassen sich durch das Wurzelgeflecht am Flussufer, die mich an Mangroven erinnern, treiben.

Vogelobservatorium im Naturschutzgebiet Scheelhoek

Kurz bevor Fluss und Meer miteinander verschmelzen, liegt im Westen des Deltas das Naturschutzgebiet Scheelhoek. Versteckt liegt das Vogelobservatorium Het Ei. Ein moderner Beobachtungspunkt für Vogelliebhaber.

Das Besondere?

Der Beobachtungsturm ist sieben Meter hoch und hat die Form eines Vogeleis. Ein kleiner Tunnel mit Sichtschlitzen führt in das Innere des Eis. Ein geschwungener Weg führt zu einer Eisentreppe und diese hinauf zur Aussichtsplattform. Vom Inneren des Eis hast Du einen tollen Blick auf das Haringvliet. Ein spannender Kontrast aus Damm und Brutinseln des Vogelreservats.

 

Hier stellt sich der Nationalpark NLDelta vor und gibt Dir Anregungen für weitere Aktivitäten. 

 

Weitere Tipps für den Nationalpark De Biesbosch

Der Nationalpark De Biesbosch gefällt mir ausgesprochen gut. Die Bootsfahrt zum Sonnenuntergang und die Early-Bird-Radtour zum Sonnenaufgang prägen meinen positiven Eindruck. Hinzu kommt der Überraschungseffekt. Eine solch „wilde“ Landschaft aus geschwungenen Flusswegen erwartete ich in Holland nicht.

Wo übernachten? 

Das Stayokay in Dordrecht* ist eine Mischung aus einfachem Hotel, Hostel, Jugendherberge und Campingplatz mit tollem Design. Auf dem Campingplatz stehen Hütten aus Karton (Wikkelhouse). Tiny Houses, die problemlos bei jedem Interior-Wettbewerb glänzen. Für mich ein toller Ort, um mit Freunden, Partner*in und Familie eine schöne Auszeit zu verbringen.

Du suchst weitere Reisetipps? Lies hier weiter:

 

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