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Boliviens faszinierender Downhill – Camino a los Yungas

Bolivien Reisetipp Mountainbike

Caminos a los Yungas in Bolivien. Ich befinde mich auf über 4.470 Meter Höhe. Die Luft ist dünn, mein Kopf schmerzt und mein Puls klopft penetrant an meine Schläfen. Die vor mir liegende kurvenreiche Straße weist mir den Weg. Vom Altiplano hinab ins Amazonasbecken. In die wichtigste Koka-Anbauregion Boliviens. In subtropische Täler mit dicht bewaldeten Berghängen, an denen aufsteigender Dunst wie dicke Wattebäuschen kleben. Ich bin bereit für den spannendsten und imposantesten Downhill meines Lebens. Alle Klimazonen Südamerikas werde ich durchfahren. Auf zwei Rädern. Auf der sogenannten „gefährlichsten Straße der Welt“. Das hier sind meine Erinnerungen.

Von La Paz auf den Berggipfel La Cumbre

Meine freien Arbeitstage nutze ich, um mit Kollegen und Freunden von Arequipa in Peru, am Titicacasee entlang, über die Grenze nach Bolivien bis nach La Paz zu fahren.

Den ersten Anblick auf die bolivianische Stadt werde ich niemals vergessen. Zwischen dem tiefsten und dem höchsten Punkt der Stadt liegen knapp 1.000 Höhenmeter. Und auch sonst bleibt mir das eigenwillige La Paz aus dem Jahre 2008, mit seinen vielen Gesichtern, positiv im Gedächtnis. Doch in diesem Beitrag werde ich gar nicht so sehr auf La Paz eingehen. Ich möchte ein anderes Reiseerlebnis mit Dir teilen.

Das Stadtzentrum von La Paz verlassen wir im Minivan. Auf dem Dach des Wagens sind Mountainbikes montiert. Wir fahren auf der Ruta Nacional 3 hinauf in die Cordillera Real. Ich kämpfe mit jedem Höhenmeter. Der Druck auf meinen Kopf steigt und meine Augenlider fallen immer wieder zu. Die Luft auf dem Bergpass ist dünn, der Wind peitscht eiskalt auf meine Ohrmuscheln.

Da stehen wir nun. Auf 4.470 Meter Höhe. Die Aussicht auf einige der schönsten Berggipfel Boliviens, darunter sieben Sechstausender und der Illimani, kann ich nicht genießen. Ich will einfach los, hinab ins Tal. Dorthin wo es warm und grün ist und nicht karg und kalt.

Unsere Fahrradhelme setzen wir auf, die Warnwesten an und stellen die passende Sitzhöhe an unseren Bikes ein. Noch schnell ein Gruppenfoto vor der Laguna Estrellani. Dann beginnt unsere Abenteuerfahrt.

 

Abenteuer auf zwei Rädern

3.500 Höhenmeter, fast alle Klimazonen Südamerikas werden wir in den nächsten Stunden durchqueren. Wir werden zunächst auf Asphalt, dann Geröll und schließlich auf Schotter cruisen. Das Begleitfahrzeug stets an unserer Seite.

Noch bevor die Räder losrollen, versetzt Adrenalin meinen Körper in einen Ausnahmezustand. Oder handelt es sich um eine Endorphin-Dusche?

 

Bolivien Bildergalerie

 

Bolviens Camino a los Yungas durchquert fast alle Klimazonen Südamerikas

Ich arbeite bei einem Reiseveranstalter und bin mit unserem bolivianischen Partner unterwegs. Es handelt sich also quasi um Arbeitszeit. Unser Guide möchte mit uns eine neue Strecke testen.

Un poco más aventurero.

Ein bisschen abenteuerlicher soll’s für uns werden. Na dann – vamanos!

Die reguläre Tour würde nun auf der Asphaltstraße beginnen. Doch wir fahren querfeldein über Geröll und Schotter. In der nächsten Stunde werden wir unser Begleitfahrzeug nicht sehen. Ein bisschen mulmig ist mir schon. Aber unser Guide ist Vollprofi und weiß, wie er Angsthasen besänftigt.

Schnell weicht meine Unsicherheit. Freude, Abenteuerlust und Faszination für die beeindruckende Bergkulisse dominieren.

Bolivien Reisebücher zur Einstimmung findest Du zum Beispiel hier*.

Bolvien Mountainbike Tour Yungas

Viel zu schnell ist unsere Testfahrt fern der klassischen Mountainbike-Route vorbei. Erst jetzt realisiere ich, welche Wohltat dieser kurze Abschnitt fern von Bussen, Jeeps und waghalsigen Autofahrern war. Denn jetzt wird es anstrengend. Nicht physisch, sondern mental.

Die Konzentration schwindet mit den Kilometern. Wir müssen vor fast jeder Kurve halten. Unser Guide fährt voran und schaut um die Ecken. Winkt uns durch. Mittlerweile sichert unser Fahrer uns mit dem Begleitfahrzeug nach hinten hin ab. Der aufgewirbelte Staub setzt sich in jeder Pore ab.

Von unserer Gruppe schaffen es drei von acht Mountainbikern die komplette Tour bis nach Coroico. Ich bin eine von ihnen und stolz, dass ich die Tour gemeistert habe. Zwischenzeitlich dachte ich meine Hände versagen. Das permanente Bremsen verlangt einem ganz schön was ab. Doch unser Guide setzt die Pausen genau richtig. So können wir auch mal die fantastische Aussicht in die tiefen Schluchten wagen und die zunehmende Vegetation und die steigenden Temperaturen genießen. Fahrten unter Wasserfällen sind eine willkommene Erfrischung.

Boliviens Camino a los Yungas ist für mich der schönste Querschnitt, den Südamerika zu bieten hat. Und all das kann man in nur einem Tag erleben.

Eine weitere Erfrischung erwartet uns am Ende unserer Mountainbike-Tour: ein kühles Bier auf einer Brücke am Fluss. Anschließend fahren wir weiter nach Chulumani. Dort werden wir übernachten. Ich freue mich über eine Dusche und das anschließende gemeinsame Abendessen. Der Abend endet mit einem Sprung in den hauseigenen Pool, wärmendem Koka-Tee und einem Blick in den bolivianischen Sternenhimmel.

Was ist für mich das Besondere am Camino a los Yungas?

  • 3.000 Meter Höhenunterschied in wenigen Stunden überwinden: Vom Altiplano ins Amazonasbecken, vom Schnee in die Tropen. Ja, das könnte man auch mit einem Fahrzeug meistern. Doch selbst in die Pedale zu treten, die Klimaunterschiede am eigenen Körper erfahren – das sind für mich nachhaltige Reiseerlebnisse. Alexander von Humboldt hätte sicherlich auch Freude daran gefunden.
  • Das Ziel: die Yungas. In der bolivianischen Tiefebene gedeihen Kakao, Kaffee, Koka und jede Menge tropische Früchte. Zudem ist die Pflanzenvielfalt eine Wonne für die Augen und die sommerlichen Temperaturen eine Wohltat für alle, die längere Zeit in den Anden verbrachten. Hier in den Yungas leben Afrobolivianer. Der Einblick in einen ganz anderen Kulturkreis ist Dir also sicher und wird Dein Bild vom Stereotyp „Panflöten spielender Poncho Träger“ sicherlich zurechtrücken.
  • Die „gefährlichste Straße der Welt“ selbst erleben. Leider ist es kein Mythos, dass auf dem sogenannten „Camino de los muertos“ immer noch tödliche Unfälle verzeichnet werden. Vor allem waghalsige LKW- und Busfahrer riskieren immer wieder Unfälle. Wer drängelt, hat recht und sowieso scheint jeder Vorfahrt zu haben. Insbesondere in der Regenzeit, mit zunehmenden Erdrutschen und Überschwemmungen sowie an Feiertagen häufen sich die tragischen Ereignisse. Aber auch unerfahrene Touristen, die entweder mit ihren Motorrädern oder Autos unterwegs sind, die Gegebenheiten nicht kennen oder den Höhenunterschied unterschätzen bauen Unfälle. Oder Mountainbiker, die allen Warnungen zum Trotz, halsbrecherisch um die Kurven rasen. Wer mit gesundem Menschenverstand und einem wachen Geist auf dieser Strecke in Bolivien unterwegs ist, wird sicherlich genau wie ich, mit unvergessliche Reiseerinnerungen an Bolivien nach Hause zurückkehren.

Bist Du die Strecke schon mit dem Mountainbike gefahren? Oder hast Du andere Strecken in Südamerika mit dem Fahrrad gemeistert?  Verrate es mir in den Kommentaren!

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