0 in Blog/ Bücher

The Grand Tour – Das goldene Zeitalter des Reisens [Rezension]

Rezension zum Reise-Bildband The Grand Tour. Das Goldene Zeitalter des Reisens

Mit dem Reisen verbinde ich viel Positives: Einmalige Momente, intensive Reiseerlebnisse und Landschaften, die sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Allerdings frage ich mich, wie das Reisen damals war? Zu einer Zeit, als das Reisen mit unglaublichen Strapazen verbunden und nur Wohlhabenden vorbehalten war? Als Erzählungen und gemalte Bilder die Reiseeindrücke dokumentierten – fern von Internet, Blogs, digitaler Fotografie und sozialen Netzwerken? Hätte ich als westliche Frau zu dieser Zeit Möglichkeiten gehabt, mir die Welt anzuschauen, wie ich es heute tue? Der brillante Bildband The Grand Tour. The Golden Age of Travel wirft einen Blick auf das 19. Jahrhundert. Darin werden sechs beliebte Routen um die Welt präsentiert und gezeigt, welch ein Abenteuer das Reisen vor zwei Jahrhunderten war.  

 

Eine Einladung zum Reisen

Auf den ersten Seiten wird eindrücklich beschreiben, wie sich das heutige Reisen vom Reisen im 19. Jahrhundert unterscheidet. Heute reisen wir selbstverständlich aus Lust und Vergnügen. Damals waren die Reise-Motive andere.

Expeditionen und Reisen über den großen Teich, waren Forschern, Kaufleuten, Aufklärern, Missionaren, Pilgern oder Künstlern vorbehalten. Adlige schickten ihre Sprösslinge auf Grand Tour durch Europa, mit dem Ziel Kulturschätze zu studieren und Kontakte zu knüpfen. Noch angesehener war, wer sich eine Reise in den fernen Orient leisten konnte.

Die Eindrücke solcher Reisen fließen in die Werke von Schriftstellern wie Chateaubriand, Dickens oder Vernes ein. Mark Twain berichtete humorvoll über das Verhalten der ersten Kreuzfahrttouristen und dokumentiert seine Beobachtungen in Wort und Schrift. 

Darüber hinaus entwickelt sich die Reisefotografie. Fotografien sind damals ein rares Gut, genauso wie Zugreisen. Anfang des 20. Jahrhunderts können Wohlhabende, die sich eine Vergnügungsreise leisten können, auf eine moderne Transport-Infrastruktur setzen. Orient Express, Transsibirische Eisenbahn oder Canadian Pacific Railway – mit dem Zug werden immense Strecken zwischen und auf ganzen Kontinenten zurückgelegt. Gleiches gilt für Passagierschiffe auf den Weltmeeren. Darauf folgen innerhalb kurzer Zeit der Luftverkehr und die Eroberung der Straße durch das Automobil. Und damit die Massen. 

 

Das goldene Zeitalter des Reisens ist vorbei, doch der Geist des Reisens ist nach wie vor lebendig: „ Reisen bedeutet leben, in der ganzen Fülle dieses Wortes; aus voller Brust zu atmen, alles auszukosten, sich die Schöpfung ganz zu eigen zu machen […], …“ (S. 20)

 

Um die Welt – sechs traumhafte Reiserouten

Für die folgenden Seiten muss man sich auf jeden Fall Zeit nehmen. Auf insgesamt 616 Seiten werden Fotografien, Reiseplakate, Fahrkarten, Reisebroschüren, Gepäckaufkleber und darüber hinaus weitere Fundstücke aus dem Goldenen Zeitalter des Reisens präsentiert. Das Durchforsten der ausgezeichnet kuratierten Objekte weckt Abenteuerlust und jede Menge Fernweh. 

Vorgestellt werden folgende Routen:

  • Süd- und Westeuropa
  • Vom Rhein zum schwarzen Meer
  • Die Nördliche Route
  • Die Orientroute
  • Nach Fernost und Australien
  • Die Entdeckung der Neuen Welt und Afrikas.

 

Gedanken zum Buch

Ohne Frage: Der hochwertige Bildband ermöglicht eine analoge Zeitreise. Zudem macht er neugierig und beschert dem Betrachter Fernweh. Diese Schatzkiste voller Souvenirs und Andenken aus einer vergangenen Zeit ist eine Bereicherung für jeden Buchliebhaber und Reisenden.

Genauso finden Reisende, die den heutigen Reise-Konsum kritisch betrachten und sich authentischere Reiseerlebnisse wünschen, in diesem Bildband Anregungen. Anregungen, um die nächste Reise länger zu planen, verstärkt über Land zu reisen und beispielsweise kulturelle Schätze vor Ort intensiver zu studieren. 

Ob ich gerne zu Zeiten des Goldenen Zeitalters gelebt hätte? Nun ja, ich betrachte das Buch und die Fotografien durch eine romantische Brille. Mein Herz als Geographin schlägt schneller bei dem Gedanken, ferne Länder und Orte in exklusivem Rahmen als eine der ersten zu erkunden. Wie wahrscheinlich wäre es allerdings, Teil dieser Elite gewesen zu sein, die sich das Reisen zu damaliger Zeit erlauben konnte? Zudem als Frau? Äußerst unwahrscheinlich!

Könnte ich mich als stille Beobachterin zu den Pyramiden von Gizeh, nach Paris oder London oder in den Orient-Express beamen – sofort! Den heutigen Fortschritt und die Freiheiten als moderne Reisende möchte ich jedoch nicht eintauschen wollen. Die Art des Reisens gilt es dennoch zu Überdenken – bei jeder Reiseplanung. Und da nehme ich mich nicht aus.

 

Details zum Bildband

The Grand Tour. The Golden Age of Travel.

Marc Walter, Grafikdesigner, Fotograf und Sammler sowie Sabine Arqué, Dokumentarin, Bildredakteurin und Autorin sind die Autoren. Erschienen ist der Reise-Bildband im Verlag TASCHEN. Schau Dir hier das Making-Of zum Buch an:

 

The Grand Tour. The Golden Age of Travel.

Hardcover, 29 x 39,5 cm, 616 Seiten, in einem Karton mit Tragegriff

€ 150,00 Euro (D) 

ISBN 978-3-8365-4977-6

Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Bestellen kannst Du den XXL-Bildband bei TASCHEN, bei Deiner Lieblings-Buchhandlung

und bei amazon*.

 

Magst Du mehr Lesestoff? Rezensionen findest Du in der Rubrik Reisebücher, Bildbände und Kochbücher.

 

Könnte Dir auch gefallen

Keine Kommentare

Antworten