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Afghanistan – Bildband von Steve McCurry [Rezension]

Afghanistan Bildband von Steve McCurry

Afghanistan ohne Terror und Krieg? Kaum vorstellbar. Doch Afghanistan war einst ein Land der Künste und Intellektuellen, in dem zahlreiche ethnische Gruppen lebten – mit Stolz und Selbstbewusstsein. Mit seinem Foto Afghanisches Mädchen aus dem Jahre 1984 wurde Steve McCurry weltberühmt. Seit mehr als 30 Jahren reist der us-amerikanische Fotograf in das Kisengebiet. Dabei sind berührende und hoffnungsvolle Fotografien entstanden. Der TASCHEN Verlag präsentiert diese Aufnahmen in einem hochformatigen Bildband.

 

Der Fotograf: Steve McCurry

 

Steve McCurry reist seit über dreißig Jahren immer wieder durch Afghanistan. Als intimer Kenner des Landes weiß er um dessen Leiden und Freuden, Reize und Schwierigkeiten. Er hat gesehen, wie es sich entwickelte. Drei Jahrzehnte lang hat er die Geschichte des Landes miterlebt, die Hoffnungen und Herausforderungen, die Tragödien und Triumphe. Mit seinen Fotografien hat er nicht nur die visuelle Realität seiner neueren Geschichte aufgezeichnet und dokumentiert, sondern in vieler Hinsicht auch die Art bestimmt, wie die Welt dieses Land heute sieht, […]. (S. 249, Nachwort von William Dalrymple)

 

Steve McCurry wurde 1955 in Philadelphia geboren und arbeitet als Fotograf und Fotojournalist. Seit über 40 Jahren dokumentiert er das Leben in Krisengebieten und porträtiert ihre Bewohner. Als einer der bekanntesten Vertreter zeitgenössischer Fotografie zierten seine Fotografien Titelseiten zahlreicher Zeitschriften und Publikationen. Mit seinem Porträt des Afghanischen Mädchens mit den leuchtend grünen Augen, das er 1984 in einem pakistanischen Flüchtlingslager aufnahm, wurde er weltberühmt. 

Im Jahr 2004 gründete er nach zahlreichen Reisen durch Indien, den Nahen Osten und Afghanistan die Hilfsorganisation ImagineAsia mit dem Ziel Kindern und jungen Erwachsenen Bildung in Afghanistan zu ermöglichen. 

 

Der Inhalt: Ein Land zwischen Chaos und atemberaubender Schönheit

 

Steve McCurry entführt die Betrachter des Bildbands Afghanistan auf 256 Seiten in eine andere Welt und erlaubt ihnen einen Blick auf die afghanische Bevölkerung.

Während seines ersten Besuchs in Afghanistan entstanden schwarz-weiß Fotografien. Den Auftakt bilden 16 Aufnahmen, die zwischen 1979 und 1980 aufgenommen wurden und Kinder und junge Erwachsende zeigen. Entweder posieren sie mit Maschinengewehren oder werden in ihrem täglichen Leben als Soldaten abgelichtet: beim Wasser holen, Beten, Ausruhen oder Schaukeln.

Seine späteren Besuche hält McCurry in Farbe fest. Dabei entstehen intensive Farbaufnahmen, die charakteristisch für den Fotografen sind. Die Motive reichen von beeindruckenden Landschaftsaufnahmen aus Bamiyan, Jalalabad und Kandahar über Stadtszenen aus Herat und Kabul sowie immer wieder Porträts von Männern, Kindern und auch Frauen. 

Opiumfelder, zerbombte Städte, Panzer als Spielgerüst und private Häuser dienen als Kulisse und zeigen deutlich die Spuren des Krieges. Und trotz der teils sehr melancholischen Stimmung, die in den Bildern mitschwingt, schafft es McCurry die Menschen würdevoll abzulichten. Viele Bilder strahlen Stolz und Zuversicht aus, wie etwa das Bild des Frisörs, des Orangenverkäufers, des Anzugverkäufers oder des Mannes der drei Poloraid-Kameras verkauft. Nicht zuletzt versprüht auch das Titelbild fast schon etwas Friedliches: Ein bärtiger Mann mit Turban sitzt auf einer Holzbank mit überschlagenen Beinen. Seine linke Hand hält er an einer großen roten Boxkamera fest, die rechte Hand liegt im Schoß. Mit einem leichten Lächeln und wachem Blick schaut er in die Kamera des Fotografen. 

 

Auszüge aus dem Bildband Afghanistan

 

Afghanistan Steve McCurry

Blick in den Bildband: Afghanistan

 

Alle Fotografien kommen ohne Erklärungen aus. Lediglich im Index am Ende des Buches werden alle Bilder mit Aufnahmeort und Entstehungsjahr genannt. Einige weitere Informationen zu Afghanistan erfährt der Leser im Nachwort von William Dalrymple. 

So bleibt ganz viel Raum für das unvoreingenommene Betrachten der Bilder und die volle Entfaltung der Bildwirkung, die manchmal traurig oder einfach schockierend stimmt, etwa wenn Terror und Krieg Spuren an den Schwächsten hinterlassen und McCurry diese dokumentiert. Ein bitterer Beigeschmack bleibt: Das heutige Wissen, um das Leid, das Afghanistan nun seit mehreren Jahrzehnten tagtäglich durchleben muss und die Frage, ob Afghanistan hoffnungslos verloren ist.

 

Afghanistan – einige Fakten zum Land

Durchschnittliche Lebenserwartung: ca. 43 Jahre

Alle 30 Minuten stirbt ein Kind an vermeidbaren Krankheiten

Jedes vierte Kind stirbt vor dem fünften Lebensjahr

50 % der Kinder leiden unter Unterernährung

10 Millionen Landminen sind die Folge eines jahrzehntelangen Krieges

Alle 30 Minuten stirbt eine Frau bei der Geburt eines Kindes.

Buttoinlandsprodukt pro Kopf ca. 560 USD (laut Statista)

17 % der Bevölkerung sind behindert

13 % der Bevölkerung haben Zugang zu Trinkwasser

Alphabetiesierungsrate bei Frauen beträgt 14 % und bei Männern 43 %

Gesamtbevölkerung: 36,8 Millionen (laut Statista)

Durchschnittsalter: 17,6 Jahre

(Quelle: frei übersetzt nach ImagineAsia)

 

Details zum Bildband Afghanistan:

Steve McCurry

Afghanistan

256 Seiten, Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, Format  27 x 37 cm

€ 59,99 Euro (D) / € 59,90 (A) / sFr. 74,90

ISBN 978-3-8365-6936-1

Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch

Verlag: TASCHEN 

Erscheinungsjahr: 2017

Bestellen kannst Du den Bildband in Deiner Lieblings-Buchhandlung, beim Taschen Verlag

oder zum Beispiel bei amazon*
 

Hast Du Lust auf mehr Lesestoff?

Weitere Rezensionen stelle ich Dir in der Rubrik Reisebücher, Bildbände und Kochbücher vor.

 

 

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