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Instinkt – 800 Kilometer zu Fuß durch die Wildnis Australiens [Rezension]

Buchrezension Sarah Marquis Instinkt

Im Nordwesten Australiens liegt einer der abenteuerlichsten Regionen des Kontinents: die Kimberleys. Lediglich 40.000 Einwohner, davon die Hälfte Aborigines, leben auf dem 424.517 km² großen Gebiet, das aus Steppen, Wüsten, tropischen Wäldern, Wasserfällen und Gebirgen besteht. Entdeckern und Abenteuerin Sarah Marquis folgt ihrem Instinkt und durchquert dieses Gebiet  – 800 Kilometer zu Fuß durch die Wildnis Australiens. Essentiell für dieses Gelingen? Unter anderem eine langjährige Vorbereitung, ein Team, auf das sie immer zählen kann, die Beherrschung von Überlebenstechniken sowie das Vertrauen auf den eigenen Instinkt.

 

Mut zum Abenteuer und in die eigenen Fähigkeiten

 

Sarah Marquis stammt aus dem Schweizer Jura-Gebirge und hat in mehreren Etappen mittlerweile die Welt einmal zu Fuß umrundet. Sie ist Spezialistin für Expeditionen und wurde von National Geographic als „Adventurer of the Year“ nominiert. Vor mehr als 20 Jahren begann Marquis alleine und zu Fuß unterwegs zu sein. Für sie die Möglichkeit herauszufinden, aus welchem Holz sie geschnitzt ist (S. 38) und was sie dazu bewegt, sich extremen Naturräumen auszusetzen.

 

Meine Kraft kommt aus meinem Inneren. Ich habe dieses Feuer, das in mir brennt, das ganze Universum ist darin enthalten, alles ist in mir. Da ich weiß, dass wir alle Kinder dieser Erde sind, mit einem perfekten Körper und einem mit allem verbundenen Geist, kann ich daraus schöpfen, was ich zum Überleben brauche. Ich spüre die Erde unter meinen Füßen vibrieren… Ich habe Vertrauen in meine Fähigkeit, mich mit der Erde in Verbindung zu setzen und meine Zugehörigkeit zum Universum zu erkennen. (S. 39)

 

Insgesamt benötigt Marquis drei Monate für ihre Expedition und beschreibt wie sie sich mit ihrem 32 Kilogramm schweren Rucksack durch undurchdringliches Buschland, Sümpfe, Canyons und Flüsse zieht – immer getrieben von Hunger, Durst und Schutz suchend vor giftigen Schlagen, Spinnen und gefährlichen Krokodilen. Unbarmherzig prallt die Sonne auf den roten Kontinenten. Ihre Nahrung besteht aus Früchten und Wurzeln, die sie unterwegs sammelt, selbst gefangenem Fisch sowie Mehl und Tee.

 

Risiken eingehen um zu wachsen

 

Und trotz der Strapazen und der Risiken, die auf sie warten, ist diese Expedition die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Für die Autorin ist die Übernahme von Risiken unverzichtbar, um sich selbst zu fordern, zu wachsen und die eigene Komfortzone zu verlassen. 

 

Der Gewinn einer Risikoübernahme? Zu lernen, Vertrauen in sich selbst zu haben, an seine äußeren und körperlichen Fähigkeiten zu glauben uns seine Zugehörigkeit zum Universum aus jedem Blickwinkel zu begreifen. (S.88)

 

Buchrezension Sarah Marquis Instinkt

Essentiell: Überlebenstechniken im Busch Australiens

 

Survival-Modus

 

Neben den vielfältigen Einblicken in die Durchführung einer solchen Expedition, das benötigte Equipment, die Hindernisse und auch Tricks, beeindruckt mich vor allem der Blick in das Innere der Autorin. Dankbarkeit, Humor und der Blick für das Wesen der Dinge sind sicherlich neben den Hard Skills wesentliche Merkmale für das Überleben in der Wildnis. Doch sie beschreibt auch welche Bedeutung für sie Instinkt, Verstand, Lust, Begierde und Liebe bei einer solchen Grenzerfahrung hat (S. 133 ff.).

Überleben bedeutet auch den Energiebedarf seines Körpers zu verstehen und das Gleichgewicht zwischen Energieverbrauch und Ressourcenzufuhr im Blick zu haben, aber auch seine eigenen Schwächen zu kennen.

 

Aus diesem Grund kann man das Überleben nicht aus Büchern lernen! Ich für meinen Teil musste 23 Jahre lang Erfahrungen sammeln, bevor ich mich an eine so große Herausforderung gewagt habe. Und ich bin mir heute bewusst, dass jeder einzelne Schritt, den ich in diesen  23 „Vorbereitungsjahren“ gemacht habe, unabdingbar war. (S. 195)

 

Expedition zu Fuß durch Australien

Einblick in den Alltag als Abenteuerin.

 

Fazit: Expeditionsbericht mit Einblick 

 

Ich liebe Australien und begeistere mich für die Kultur der Aborigines. Außerdem finde ich, dass Reisen zu Fuß eine der intensivsten Erlebnisse sein kann und sympathisiere mit mutigen Frauen. Dies sind sicherlich die Hauptgründe, warum mir dieses Buch so gut gefällt und ich es an einem Abend durchgelesen habe. Das Buch ist einfach und verständlich geschrieben. Es ähnelt einem Expeditionsbericht mit Einblicken in die Gedanken und Gefühle der Autorin. Das Buch beschreibt, welche äußeren Bedingungen die Autorin vorfindet und welche Strapazen sie durchläuft, um ihren persönlichen Traum zu erfüllen. Es ist ein rein subjektiver Bericht, mit dem man entweder sympathisiert oder eben nicht. 

Da die Expedition durch eine Region führt, in der etwa die Hälfte der Bewohner Aborigines sind, hatte ich die Hoffnung bzw. Erwartung, einen tieferen Einblick in deren Kultur zu erhalten. Dies ist nicht der Fall, nur zu Beginn des Buches gibt es eine Begegnung. Allerdings ist dies ja auch nicht Thema des Buches und schmälert meinen Eindruck nicht. Wo keine Menschen, da keine Begegnungen, ganz einfach!

Wer hier eine Anleitung für seine eigene Expedition sucht, ist leider falsch. Sarah Marquis hat ihre Leidenschaft im (extremen) Wandern gefunden und macht mir mit diesem Buch Mut, meine Vision und meinen Traum weiter zu verfolgen. Manchmal braucht es eben ein paar Vorbereitungsjahre und einige Hindernisse, bis man sein Ziel erreicht.

 

 

Sarah Marquis

INSTINKT

800 Kilometer zu Fuß durch die Wildnis Australiens

240 Seiten mit 16 Seiten Farbbildteil und einer Karte. Klappenbroschur.

€ 15,00 Euro (D) / € 15,50 (A) / CHF 20,50 (CH)

ISBN 978-3-492-40623-9

PIPER Verlag

Erscheinungstermin: 03. Juli 2017

Das Buch kannst Du zum Beispiel direkt beim

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