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Documenta 14 & Kassel – mein erstes Mal

Besuch in Kassel und auf der documenta14

Die Documenta zĂ€hlt zu den wichtigsten Kunstausstellungen weltweit. Alle fĂŒnf Jahre verwandelt sich das hessische Kassel fĂŒr 100 Tage zu einer weltweit angesehenen Kunstmetropole mit zahlreichen Skulpturen im öffentlichen Raum und AusstellungsrĂ€umen in der ganzen Stadt. Neben Kassel gibt es erstmals in der Geschichte der Ausstellung einen weiteren Standort: Athen. In diesem Beitrag erfĂ€hrst Du mehr ĂŒber meinen allerersten Besuch auf der Documenta in Kassel.

     
Das erste Mal: Documenta & Kassel

Ich habe mich sehr spontan dazu entschieden die Weltkunstschau zu besuchen. Mein Kopf war noch komplett in einer anderen Welt, fokussiert auf ein bestimmtes Ziel, das mich mein Freizeitleben komplett hat vergessen lassen. 

Meine mangelnde Voraussicht hat sich dann auch gleich mal in den Zugpreisen (59 Euro fĂŒr die Strecke Hamburg-Kassel) und den Hotelpreisen (im Schnitt etwa 100 Euro pro Nacht fĂŒr ein Einzelzimmer in einem uncharmanten Businesshotel) niedergeschlagen. Na prima, dachte ich mir da! Entweder braucht man ein dickes Portemonnaie oder wird gleicht bestraft, wenn man mal etwas spontan unternehmen möchte. Aber so schnell gebe ich ja nicht auf! 

Gefahren bin ich schließlich mit Flixbus fĂŒr 14 Euro inklusive einer Stunde VerspĂ€tung bei der Abfahrt. Nicht cool, aber immerhin bin ich angekommen, an der Haltestelle Kassel Kaufungen-Papierfabrik. Im Vorfeld habe ich gelesen, dass es sich dabei um den grĂ¶ĂŸten Flop unter den Fernbus-Haltestellen handeln soll. Also, es handelt sich einfach nur um einen Ausstieg ohne Überdachung. DafĂŒr ist die Tram direkt um die Ecke und bringt mich in etwa 9 Minuten in die NĂ€he meiner Unterkunft.

Die grĂ¶ĂŸere Herausforderung bestand in dem Finden einer bezahlbaren und charmanten Unterkunft. Zum GlĂŒck bin ich dann auf das Hostel Sandershaus gestoßen. 

 

Sandershaus: Ein Haus der Begegnungen

 

Das Sandershaus ist kein Hostel im klassischen Sinne. Das GebĂ€ude war zunĂ€chst als Gemeinschaftsunterkunft fĂŒr FlĂŒchtlinge ausgerichtet. Es kamen dann aber doch nicht so viele Bewohner wie erwartet, sodass das GebĂ€ude zu zwei Drittel leer gestanden hĂ€tte. Aus vielen kreativen GesprĂ€chen und noch mehr Engagement entstand die Idee eines Ortes, an dem man Voneinander lernen – Miteinander leben – Zusammen arbeiten kann. 

In der ersten Etage kommen heute HostelgĂ€ste in Privat- und Mehrbettzimmern unter. Es gibt Gemeinschaftsbadezimmer nach Geschlecht und eine tolle große KĂŒche, in der du dir selbst was zubereiten oder dich mit GetrĂ€nken fĂŒr 1 € versorgen kannst. 

In der zweiten Etage sind die FlĂŒchtlinge, darunter auch drei Familien untergebracht. 

Im Erdgeschoss gibt es mehrere RĂ€ume, in denen zum Beispiel Seminare abgehalten werden können oder sich Gruppen/ Vereine treffen können. Eine große KĂŒche ist ebenfalls vorhanden. GefrĂŒhstĂŒckt wird aktuell noch in einem der SeminarrĂ€ume. Aber nicht mehr lange. Denn dann ist auch die CafĂ©-Bar fertig, in der in Zukunft auch Lesungen und Konzerte stattfinden werden. 

Im Keller werden in Zukunft RĂ€ume fĂŒr Bandproben und Handwerker entstehen. Im Garten sind bereits Studenten der Landschaftsarchitektur mit dem Anlegen eines Erlebnispfades zu Gange. 

Mit meiner Übernachtung habe ich dieses Projekt ein StĂŒck weit unterstĂŒtzt. Es ist ein tolles GefĂŒhl, solch ein engagiertes Projekt wachsen zu sehen. 

 

Sandershaus Kassel

Hostel/ Jugendherberge

SandershÀuser Str. 79

34123 Kassel

Preise: ab 12,00 € bei Unterkunft im 8er-Mehrbettzimmer.

Ich habe fĂŒr mein Einzelzimmer 37,50 € bezahlt. Handtuch kostet 2 €, BettwĂ€sche 2,50 € und FrĂŒhstĂŒck bekommst du fĂŒr 4,90 €.

 

Auf Erkundungstour durch Kassel

Trotz des Regens, mache ich mich zu Fuß auf in die Innenstadt. Es gibt zwar auch in der NĂ€he direkt eine Bushaltestelle- und Tramhaltestelle, aber nach der langen Busfahrt bin ich froh mir die Beine zu vertreten.

Besonder „schön“ ist die Strecke in die Innenstadt von Kassel nicht, denn sie fĂŒhrt durch Industriegebiete und direkt an einer viel befahrenen Straße lang. So Autoreich hatte ich mir Kassel gar nicht vorgestellt! 

Ich ĂŒberquere die Fulda und lande dann durch Zufall auch schon bei den ersten AusstellungsstĂŒcken – die Glas-Pavillons an der Kurt-Schumacher-Straße.

Anschließend mache ich mich auf zum Königsplatz, dort steht der Obelisk von Olu Oguibe. Von hier ist es ĂŒber die Obere Königsstraße nicht mehr weit zum Friedrichsplatz, um den eine Vielzahl von Installationen und AusstellungsrĂ€ume liegen. 

 

Wegweiser documenta 14

 

Da es bereits spĂ€ter Nachmittag ist, entscheide ich mich fĂŒr das reduzierte Nachmittagticket, das ab 17 Uhr gĂŒltig ist (Kosten: 10 Euro;  Tagesticket: 22 Euro, 2-Tagesticket: 35 Euro).

Bei meinem Gang durch den Merchandise-Shop werde ich dann auf die gefĂŒhrten SpaziergĂ€nge aufmerksam. Ich bin einfach zu schlecht vorbereitet, also entscheide ich mich spontan an einem solchen Rundgang teilzunehmen. Die VerkĂ€uferin rĂ€t mir von dem Besuch des Fridericianum ab und empfiehlt mir stattdessen den Besuch der Neuen Hauptpost. Sie ist mir sympathisch, zudem redegewandt und schwuppdiwupp bin ich weitere 12 Euro los.

Erst nach dem Kauf wird mir klar, dass ich dann ja nur noch etwa eine Stunde habe, um mir die anderen Ausstellungen anzuschauen. Zudem muss ich noch mal etwa 15 Minuten fĂŒr den Fußweg zum Treffpunkt einplanen. Okay Sonita, think fast –PrioritĂ€ten setzen!

 

Kunst-Hopping

Also lasse ich erstmal alles was draußen ist, links liegen und konzentriere mich auf die Documenta-Halle. Mist, Taschenkontrolle. Dabei habe ich wie immer meine Kameratasche von DESIGNSTRAPS*. Könnte eng werden. Zum GlĂŒck gerate ich an einen sympathischen Kontrolleur mit Good Vibes.

Ich lĂ€chle ihn an, er lĂ€chelt mich an. Dann fragt er mich: „Das ist aber kein Rucksack, oder?“ „Nein, nein, nur eine große Tasche. Ich bin auch vorsichtig, das geht doch bestimmt noch gerade so, oder“?

Klimper, Klimper, smile smile … „Na klar geht das. Viel Spaß!“ Yeah! Ich bin zwar etwas aus der Übung, aber manchmal klappt es mit mir und meinem Charme ja doch noch. 

Bitte, nicht falsch verstehen! Generell befolge ich immer die Museums-Anweisungen, aber in meinem Fall geht der Zeitfaktor vor und die Schlange an der Garderobe war einfach unendlich lang. 

Drinnen angekommen lausche ich der Serie „Sound on Paper“ von Alvin Lucier, schaue mir die GemĂ€lde von Miriam Cahn und die „FlĂŒchtlingsbootfragmente“ von Guillermo Gallindo an. Daneben hĂ€ngen die „Quipoems“ der Chilenin CĂ©cilia Vicuña, die mir bereits von Fotos bekannt waren.

 

Auf dem Weg zum Treffpunkt streiche ich noch kurz die Abwassserrohre von Hiwa K und die Metallkonstruktion von Marta MinujĂ­n.  FĂŒr beide werde ich mir am Folgetag etwas mehr Zeit nehmen. Der Rauch von Daniel Knorr steigt kontinuierlich auf. 

Vor der Neuen Neuen Galerie treffe ich auf die anderen Teilnehmer des Spaziergangs und werde von unserem ZĂŒrcher Guide begrĂŒĂŸt. Die letzten Wochen und die vielen EindrĂŒcke der Documenta haben meinen Verstand bereits etwas weich gekocht. Darum freue ich mich auch einfach etwas zu konsumieren und nur zuhören zu können. Doch weit gefehlt. Unser Guide möchte einen interaktiven Ansatz ausprobieren, zu dem jeder deinen Beitrag leisten kann/ soll.

Na super! Genau das Richtige fĂŒr mich und meinen maladen Geist, die Begeisterung in der Gruppe ist auch nicht wirklich ansteckend. Schade, denn eigentlich habe ich ja genau das wĂ€hrend meines Studiums der Kunstgeschichte geliebt und spĂ€ter auch sehr vermisst. Ein Austausch, freie Gedanken und das Erforschen verschlĂŒsselter Symbolik.

 

Kassel Documenta 14

 

Schritt fĂŒr Schritt entwickelt sich dann aber nach einigen Startschwierigkeiten ein reger Austausch zwischen Kassel-Bewohnern und Kassel-Besuchern. Und genau bei der Frage, ob ein zweiter Standort nötig, sinnvoll oder innovativ sei, spalten sich die Ansichten.

Um 20 Uhr mĂŒssen wir die Gottschalk-Halle verlassen, dem zweiten Besichtigungspunkt wĂ€hrend des Spaziergangs. Mit dem netten Schweizer konnte ich mich noch etwas unterhalten, der extra fĂŒr die Zeit der documenta 14 nach Kassel gezogen ist. Er empfiehlt mir unbedingt das Fridericianum zu besuchen, falls ich noch Zeit habe. Ich erzĂ€hle ihm, von der EinschĂ€tzung seiner Kollegin im Merchandise-Shop. Er lacht nur und schĂŒttelt mit dem Kopf. 

Konfus verabschiede ich mich und mache mich zurĂŒck zum Sandershaus. 

Dort ist auch eine Schulklasse zu Gast, die im Garten grillt. Dazwischen sitzen vereinzelt ein paar FlĂŒchtlinge. Gemeinsam hören sie Musik oder spielen etwas Fußball. 

Ich lasse, den Tag und meine EindrĂŒcke Revue passieren und döse langsam vor mich hin. In der Nacht werden noch einige Male die TĂŒren geknallt und lauthals gelacht und gegrölt. 

So gerne ich es mag, wenn ein bisschen Action ist, so gerne mag ich einen ruhigen Schlaf. Zum GlĂŒck habe ich meine Ohrstöpsel dabei. 

 

 

Was mir bei meinem Besuch geholfen hat und was ich verpasst habe?

 Geholfen beim Besuch und der Nachbereitung der documenta 14:

WELTKUNST – Kunstmagazin der ZEIT * (Spezial 03 2017)

Monopol – Magazin fĂŒr Kunst und Leben

Kostenloses Informationsmaterial vor Ort

 

Verpasst habe ich:

Besuch des Herkules Monuments und des Bergparks Wilhelmshöhe

Graffiti Tour durch Kassel. Den alternativen Stadtplan Welcome to Graffiti in Kassel habe ich in meiner Unterkunft entdeckt. Herausgeber ist Raum fĂŒr Urbane Experimente e.V. in Kooperation mit dem Kulturamt und Jugendamt.

Alles andere nicht erwĂ€hnte  🙂 

 

Meine Zeit in Kassel war viel zu kurz. Ich muss also noch mal hin.

Warst Du schon in Kassel oder sogar auf der documenta 14?

Wie hat es dir gefallen? Hast Du weitere Tipps fĂŒr mich?

Meine Reise ging weiter nach Frankfurt. Dort hat mich ein exklusiver Kochabend voller peruanischer Leckereien erwartet.

Mehr dazu stelle ich Dir im Blogbeitrag Peruvian Flavours – kulinarische Reise im Sheraton Frankfurt Airport Hotel vor.

 

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1 Kommentar

  • Antworten
    Manuela
    16. Juli 2017 zu 8:50

    Hallo Sonja,
    war echt interessant die Sicht eines Besuchers zu lesen. Ich habe vor 15 Jahren (ja so lang ist das schon wieder her) in Kassel gewohnt und selbst 2 Monate auf der Documenta als Aufsicht gearbeitet. Da verbringt man tagtĂ€glich viel Zeit mit der Kunst. 🙂 Aber man erlebt auch Menschenmassen die kommen. In der Garderobe hab ich auch mal gestanden. Bestes Fitness Training ever. Die Schlange war immer lang. 🙂
    Kassel ist vielleicht nicht die schönste Stadt, aber ich habe mich hier immer sehr wohlgefĂŒhlt. In der Orangerie (Karlsaue & Fuldaaue) kann man prima entspannen. Die Fahrt zum Herkules und Bergpark lohnt sich auch in jedem Fall. Hier hat mein einen super Ausblick. Bin gespannt auf Deinen Bericht aus Frankfurt.
    VG Manuela

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