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Comeback mit Backpack – eine Zeitreise durch Südamerika [Rezension]

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Ist man zum Reisen eigentlich jemals zu alt? Vorausgesetzt die Gesundheit spielt mit, was spricht eigentlich dagegen auch mit 50+ noch einmal den Rucksack aufzusetzen und hinaus zu ziehen, um die Welt zu erkunden? Die Ethnologin und Fernsehjournalistin Gitti Müller berichtet über ihr Comeback mit Backpack. Sie erzählt von ihren analogen und digitalen Reisen durch Lateinamerika und verrät, was sich zwischen 1980 und heute in den Ländern, aber auch in der Art zu Reisen verändert hat. 

Zum Reisen ist man nie zu alt

Gitti Müller ist Ethnologin, Fernsehjournalistin, Journalismustrainerin und Bloggerin. Sie absolvierte eine solide Ausbildung als Reisekauffrau und brach dann auf um mehrere Jahre in Paris und Südamerika zu leben. Auf dem zweiten Bildungsweg machte sie Abitur und studierte an der Universität in Bonn und in Puno am Titicacasee. 

In ihrem Buch „Comeback mit Backpack. Eine Zeitreise durch Südamerika“ nimmt sie ihre Leser_innen auf eine Reise durch das Südamerika von 1980 und heute mit. Zu ihren Begleitern zählten damals ein Zehn-Kilo-Rucksack mit Metallgestänge und Zahlungsmittel, die sie irgendwo am Körper verstaute. 30 Jahre später im Zeitalter von Google, WhatsApp und diversen Apps für das Smartphone reist sie erneut auf den Kontinenten; diesmal nach Uruguay, Bolivien und Mittelamerika. 

Sie erzählt von den Anfängen ihrer Reisen damals wie heute, von den Bedenken ihres persönlichen Umfelds, der Herausforderung eines Rucksack-Kaufs und den Abenden im Hostel. 

Coca und Sprache als Türöffner: interkulturelles Lernen

Insbesondere der Ausblick darauf, in die Beobachtungen und die Gedankenwelt einer Ethnologin einzutauchen, klingt vielversprechend. Müller macht deutlich, dass Sprache als Türöffner fungiert und Vorbehalte abbauen kann:

„Bei meinen ersten Cocaversuchen hatte ich noch keine Ahnung, wie die Coca wirkt und wozu sie gut ist. Ich wusste nur: Sie spielt eine wichtige Rolle und vielleicht öffnet sie mir die Türen zu den Herzen der Menschen. Die nächste Reise auf dem Lastwagen ging also nach Oruro und diesmal war ich gerüstet. […]

Während der Fahrt waren schon einige Taris mit Coca herumgegangen und wie immer hatte man mich ignoriert. […] Aber auch auf die Gefahr hin, mich lächerlich zu machen, ich musste dieses Wagnis eingehen. Ich versuchte also genauso cool zu gucken wie die Mitreisenden, so als wäre ich ganz allein auf der Ladefläche und würde von niemandem beobachtet. […]

Akhullt’asiñäni“, sagte ich. Das hatte ich mir bei anderen abgehört und dachte, es sei so etwas wie „Prost“ beim Trinken. […] Dann lachte sie glucksend, nicht böse, sondern herzlich , und sagte zu den Umstehenden: […] „Ey, Leute, wie krass ist das denn, das Bleichgesichtchen spricht Aymara.“ […]

Die Coca, aber vor allem die Sprache waren tatsächlich Türöffner. Dass sich jemand die Mühe machte, in ihrer Sprache zu sprechen, die doch bei den Weißen als unterentwickelt und barbarisch galt, war eine echte Sensation. Ich war so hingerissen vom Erfolg meiner Aktion, dass ich beschloss, Aymara zu lernen und mehr über die Kultur dieser Menschen herauszufinden. 

Gitti Müller, S. 138 ff.

Fazit: Comeback mit Backpack

Das Lesen fällt leicht, fast hat man das Gefühl mit einer Freundin beim Kaffee oder Tee zu sitzen und die erzählt mal eben so, was in den letzten 30 Jahren passiert ist. Dabei geht sie allerdings nicht chronologisch vor, sondern verwebt die Geschichten von damals und heute miteinander. Durch den Zusatz analog bzw. digital in den Überschriften verliert man zwischen den lebhaften Geschichten auch nicht den Überblick.

Die Zeilen zum Kauf des Rucksacks oder die Informationen rund um Yoga, sympathisieren zwar, finde ich persönlich aber überflüssig. Stattdessen hätte ich gerne mehr Geschichten zum interkulturellen Lernen erfahren. Als Ethnologin hat sie hier sicherlich einen ganz besonderen Blick auf die kulturelle Vielfalt in den einzelnen Ländern. 

Insbesondere der Einblick in ihr Denken als Mutter und die Sorgen, die sie sich macht, als ihr Sohn selbst nach Südamerika aufbricht ernten bei mir zahlreiche Sympathiepunkte. Ebenso die Tatsache, dass sie mich als 30+ Backpackerin mit analoger Reiseerfahrung in Südamerika ebenso anspricht wie meine ewig 59-Jährige Mutter. 

Details zum Buch:

 

Gitti Müller

Comeback mit Backpack

Eine Zeitreise durch Südamerika

272 Seiten mit 38 farbigen Abbildungen und einer Karte, Klappenbroschur

€ 16,99 Euro (D) / € 17,50 (A) / CHF 22,90 (CH)

ISBN 978-3-89029-142-0

PIPER Verlag

www.piper.de

Erscheinungsjahr: 2017

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