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Nuquí – Kolumbiens Paradies

Kolumbien Reisetipp Nuqui

Darauf habe ich acht Jahre gewartet: NuquĂ­. FĂŒnf Buchstaben, die mir immer wieder im Kopf herum spukten. Es hieß, NuquĂ­ sei paradiesisch schön – einfach traumhaft und einmalig. Besonders zur Zeit der Wal-Saison. Aber auch sonst: Ein Besuch in Kolumbiens Paradies lohne sich immer. Wenn ich in Kolumbien bin, solle ich diesmal unbedingt hin! Es ist der Morgen, an dem ich endlich dorthin fliegen sollte. Ich sitze am Gate. Warte gespannt darauf, dass wir endlich in die kleine Propellermaschine steigen können. Doch dann macht eine Frauenstimme aus dem Lautsprecher alles zunichte: „Estimados pasajeros, su vuelo esta cancelado.“ Mir steigen TrĂ€nen in die Augen und ich muss erst einmal tief durchatmen.

Eine Anreise mit Hindernissen

Seit den frĂŒhen Morgenstunden sitze ich am Flughafen Enrique Olaya Herrera in MedellĂ­n. Immer wieder wird unser Flug verschoben. Mittlerweile ist es Nachmittag. Das Flughafenpersonal rĂŒckt auch nicht so richtig mit der Sprache raus. Dann die Durchsage: „Verehrte Passagiere, Ihr Flug wurde gecancelt.“ 

 

Medellin Airport

Zeit totschlagen am Flughafen MedellĂ­n.

 

In mir bricht eine kleine Welt zusammen. Denn auf diese Reise habe ich mich so lange gefreut. Doch der KapitĂ€n wird die Verantwortung nicht ĂŒbernehmen, die kleine Propellermaschine bei diesen turbulenten Wetterbedingungen ĂŒber die Cordillera Occidental zu steuern. Der Flughafen in NuquĂ­ sei mittlerweile aufgrund des starken Regenfalls ebenfalls gesperrt. Wir erhalten ein neues Ticket und sollen morgen frĂŒh wieder zur gleichen Uhrzeit hier sein.

Als wir aus dem FlughafengebĂ€ude treten und zum Taxi gehen, schĂŒttet es bereits in Strömen. WĂ€hrend der Himmel zuvor leicht bewölkt war, ist er nun mit bedrohlichen Regenwolken verhangen. EnttĂ€uscht und mĂŒde steigen mein Freund und ich in ein Taxi, das uns zu einem 5-Sterne-Hotel fĂ€hrt. Zuvor haben wir ein unglaublich gĂŒnstiges Last-Minute-Angebot gefunden. Nach dem Check-in sind wir allerdings ziemlich ernĂŒchtert. AuslĂ€ndische Besucher sind theoretisch von der Mehrwertsteuer befreit. Auf den Preis, den wir online gebucht haben, wird uns die lokale Hotelsteuer drauf geschlagen. Ein kurzes Fragezeichen, doch ich bin zu mĂŒde, habe keine Kraft mein Vokabular zu sammeln und zum wiederholten Male auf dieser Reise darauf aufmerksam zu machen.

 

Medellin at night

MedellĂ­n bei Nacht.

Was folgt, ist eine Nacht in einem in die Jahre gekommenen und völlig ĂŒberteuerten Hotel. WehmĂŒtig blicke ich abends auf das Lichtermeer von MedellĂ­n und die Wölkchen, die ĂŒber die Bergkette ziehen. Morgen Abend um diese Zeit blicke ich auf den Pazifik – ganz bestimmt.

 

Kein Weg fĂŒhrt nach NuquĂ­

Nuqui Pilot

Señor piloto vamos, no? Diesmal heben wir garantiert ab.

 

Zumindest nicht auf dem Landweg. Das ist auch der Grund, warum El ChocĂł (das Departement von Panama bis Buenaventura) noch zu den intakteren Regionen des Landes zĂ€hlt. Die kleinen StĂ€dte an der PazifikkĂŒste sind nur auf dem Luftweg in einer Propellermaschine, in einem Boot auf dem Flussweg oder per Frachtschiff ab Buenaventura erreichbar. Denn von den Bergen bis zum Meer beherrschen dichter Dschungel und mĂ€andrierende FlĂŒsse die Landschaft. 

 

Medellin Nuqui

Von Medellín nach Nuquí – dazwischen nur Dschungel.

 

Entlegenere Gebiete im ChocĂł werden teilweise immer noch von paramilitĂ€rischen Gruppen und Guerilleros kontrolliert. Doch die Sicherheitslage hat sich erheblich verbessert. Dennoch hat El ChocĂł auch unter Kolumbianern noch immer einen bitteren Beigeschmack.  Mich soll es  nicht stören. In mir steigt die Hoffnung, dass ein solches Paradies wie NuquĂ­ noch etwas an seiner UrsprĂŒnglichkeit bewahren kann.

 

Grauer Himmel und tosende Wellen 

Es ist mittlerweile Abend geworden in „meinem“ Paradies. Und es ist noch viel schöner als ich es mir vorgestellt habe. Nach der Ankunft am winzig kleinen Flughafen von NuquĂ­, werden wir von Nana empfangen. Sie arbeitet als Guide und Tauchlehrerin fĂŒr die Eco Lodge El Cantil und empfĂ€ngt uns und zwei weitere GĂ€ste. 

 

Nuqui Airport

Ankunft am Flughafen in NuquĂ­.

Es ist warm und die Luftfeuchtigkeit hoch. Der Himmel ist bewölkt, eine Wohltat wie uns Nana berichtet. Wenn die Sonne erst einmal scheint, dann brennt sie gnadenlos und jede AktivitĂ€t wird zur Anstrengung.

Vor dem FlughafengebĂ€ude steht eine Kokosnuss-VerkĂ€uferin. Sie ist barfuß unterwegs, Afro-Kolumbianerin, und schwingt die Machete leichthĂ€ndig.

Nuqui

Bootsanleger in NuquĂ­.

 

Der Bootsanleger ist nur einige hundert Meter vom Flughafen entfernt. Wir gehen zu Fuß dorthin. Unser GepĂ€ck wird verladen, wir steigen ein und fahren durch das Flusssystem der Kleinstadt NuquĂ­, vorbei an einem MilitĂ€rposten hinaus auf den Pazifischen Ozean.

 

Nuqui

Bootsfahrt durch Nuqui.

Nach einer abenteuerlichen Bootsfahrt mit starkem Wellengang und Regen erreichen wir doch noch unser Ziel. Endlich angekommen! 

 

el cantil ecolodge nuqui

El Cantil Ecolodge.

 

Unser Zuhause fĂŒr die nĂ€chsten Tage ist die Eco Lodge El Cantil. Sie wurde von National Geographic zu einem der besten UnterkĂŒnfte in SĂŒdamerika gekĂŒrt. Doch es ist nicht nur die einmalige Lage zwischen pazifischem Ozean und dichtem Dschungel. Die UnterkĂŒnfte sind einfach ohne viel Schnickschnack. Es wird mit Öl beleuchtet, wenn es dunkel wird. Lediglich das Restaurant auf Stelzen mit Rundumblick hat ElektrizitĂ€t, die von einem Wassergenerator betrieben wird. Das Management fĂŒhrt die Lodge nach ökologischen Richtlinien und lebt, im Gegensatz zu einigen anderen Hotels, eine nachhaltige Firmenphilosophie. Dazu zĂ€hlt nicht nur ein schonender Umgang mit den Ressourcen. El Cantil setzt sich auch fĂŒr die ökonomische und soziale Verbesserung der umliegenden Gemeinden ein.

 

WasserfĂ€lle und SpaziergĂ€nge am Strand 

Die Tage vergehen wie im Flug. Zu Fuß spazieren wir an dunkel-grauen StrĂ€nden entlang, wandern durch dichten Regenwald, durchqueren eiskalte FlĂŒsse und baden in von WasserfĂ€llen geformten natĂŒrlichen Swimmingpools. Von einem wird behauptet, er sei eine „cascada de amor“, also der Wasserfall der Liebe. Wer hier mit seinem Partner badet, wird fĂŒr immer zusammen bleiben.

 

Wasserfall Kolumbien

Wasserfall im El ChocĂł.

 

Die Wege im Paradies sind rutschig und schmal. Die Orientierung habe ich schnell verloren. Das GefĂŒhl mich im Dschungel verirren zu können, schutzlos zu sein inmitten einer mir fremden Vegetation, stimmt mich demĂŒtig. Zugleich empfinde ich tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit dafĂŒr, einmal in meinem Leben an einem solch magischen Ort gewesen zu sein und zu wissen, dass Orte auf der Welt gibt, die ohne viel Inszenierung und Entertainment auskommen. Sie dĂŒrfen einfach sein, wie sie sind und werden dafĂŒr geschĂ€tzt. 

 

Nuqui

Im Regenwald.

 

Das Essen schmeckt aromatischer: Kokosnuss, Ananas, Papaya, Bananen und erst der Fisch. Unsere Köchin Placeres ist eine Magierin und zaubert unglaublich intensive Mahlzeiten.

 

Nuqui El Cantil

Auf dem Weg nach Termales mit Negro.

 

Unser Guide El Negro fĂŒhrt uns ins das Dorf Termales. Auf dem Weg dorthin zeigt er uns Flusskrebse, erklĂ€rt uns die Vegetation und erzĂ€hlt etwas aus seinem Leben. Die Arbeit als Guide sei mit einer 7-Tage-Woche zwar anstrengend, doch um einiges reizvoller als die Jobs in der Fischerei oder auf einem der Frachtschiffe. Ich frage ihn, ob er schon mal in MedellĂ­n gewesen sei: „Nein, warum?“. Er sei zwar einmal mit dem Schiff nach Buenaventura gefahren, um dort im Hafen Arbeit zu finden, doch schnell wieder zurĂŒck gekehrt. Fliegen kann er sich auch nicht vorstellen. Er hat hier alles, was er brauche.

 

Hund am Strand in Nuqui

 

El Cantil Eco Lodge Guide

Negro erklÀrt uns die Besonderheiten der Flora und Fauna.

 

Gauchalito Nuqui Kolumbien

Gauchalito: Palmen treffen auf einen langen grauen Sandstrand.

 

Termales

KokosnĂŒsse in Kolumbien

Termales Kolumbien

Termales

 

NuquĂ­

 

Termales Kolumbien

Thermalquellen im Dschungel.

 

Termales Kolumbien

Zur AbkĂŒhlung geht es in den erfrischend kĂŒhlen Fluss.

 

Im Paradies wird Domino gespielt

Nach dem gemeinsamen Abendessen fragt Negro uns, ob wir Domino spielen. „Nein, bei uns Zuhause wird es eher von Älteren gespielt und ist doch eher langweilig.“ Negro setzt ein breites Grinsen auf und fĂ€ngt an die Dominosteine auf dem Tisch herumzuwirbeln. „Dann zeig ich euch mal, wie wir das hier spielen.“ 

El Cantil Ecolodge

 

Ehrgeizig wie ich bin, duellieren wir uns schnell. Damit hat Negro nicht gerechnet. Und auch ich bin ĂŒberrascht. Das ich im Paradies noch einmal Domino spielen wĂŒrde, kam in meiner Vorstellung so nicht vor. 

Bis heute kenne ich Negros richtigen Namen nicht. Genauso wenig wie seine Arbeitskollegen. Er sei einfach El Negro – der Schwarze. So habe ihn schon seine Mutter genannt und irgendwann dann auch alle in seinem Dorf. Ganz einfach!

Die Tage neigen sich schnell zu Ende. Alles was mir am Tag als Orientierung diente, wird in der Nacht von der Dunkelheit verschluckt. Aus dem nahen Regenwald dringt es gerĂ€uschvoll zu mir. Das Zirpen, Grollen, Knacken und Zwitschern mischt sich mit der tosenden Brandung. 

Am Tag unserer Abreise strahlt die Sonne und das Meer hat sich zurĂŒck gezogen. In der Ferne glitzert es azurblau und schlĂ€gt sanfte Wellen. So sieht das Paradies aus, wĂŒrde man es auf eine Postkarte drucken. FĂŒr mich sieht das Paradies anders aus – und dort spielt man Domino.

 

Kolumbien Reisetagebuch

My paradise is called Nuqui

 

Ihr wollt nach NuquĂ­? Hier einige Hinweise:

 
Hinkommen

Ich buchte ein All-Inklusive-Paket direkt bei der Eco Lodge El Cantil. Mir gab es die Sicherheit, dass ein Charter mich auf jeden Fall nach NuquĂ­ bringen wird und mein Platz gesichert war. Bei einem flexibleren Zeitplan, könnt ihr auch bei Satena oder ADA FlĂŒge buchen, die entweder ab MedellĂ­n oder QuibdĂł fliegen. Aber Achtung: Die Flieger starten nur, wenn es auch die Wetterbedingungen erlauben. Hier gilt: „Safety first“. Sollte das nicht der Fall sein, wĂŒrde ich an eurer Stelle eher nicht in den Flieger steigen.

Wenn ihr ein Abenteuer sucht, könnt ihr euch auch auf ein Frachtschiff wagen. Ab Buenaventura gibt es Schiffe, die NuquĂ­ und BahĂ­a Solano ansteuern. Buenaventura soll ein nicht ganz ungefĂ€hrliches Pflaster sein. Ist sicherlich auch typabhĂ€ngig und ihr euch vorstellen könnt, 16 Stunden auf einem eher unkomfortablem Schiff unterwegs zu sein. Einige Informationen zu dieser Möglichkeit stehen im Lonely Planet Kolumbien.

NuquĂ­ selbst ist eine Kleinstadt mit etwa 8.000 Einwohnern und wenig Charme, dafĂŒr aber mit herzlichen Bewohnern und einem guten Standpunkt fĂŒr AusflĂŒge in den Parque Nacional Natural (PNN) Ensenada de UtrĂĄ, BahĂ­a Solano sowie Termales und den Strand Gauchalito. Die Weiterreise ab NuquĂ­ erfolgt entweder mit dem Tuk-Tuk, hĂ€ufiger jedoch mit dem Motorboot. 

 

Unterkunft

FĂŒr mich stand seit vielen Jahren fest: Wenn ich nach NuquĂ­ reise, dann kommt fĂŒr mich nur die Eco Lodge El Cantil in Frage. Mittlerweile gibt es an der KĂŒste auf dem Weg nach Termales mehrere UnterkĂŒnfte, auch Hostels. Die Anlagen sind hĂŒbsch aufbereitet, verfĂŒgen ĂŒber HĂ€ngematten oder einfache HĂŒtten. Jedoch zeigt sich bei einigen, wie mit dem Thema MĂŒll insbesondere PlastikmĂŒll umgegangen wird. Ja, ich wollte unbedingt ins Paradies. Allerdings nicht um jeden Preis. Mit der Philosophie der Öko-Lodge konnte ich mich identifizieren und ein Management unterstĂŒtzen, das die kostbaren Ressourcen schĂŒtzt und sich aktiv in den Gemeinden engagiert. In jeder HĂŒtte gibt es ein ausfĂŒhrliches Booklet, das GĂ€ste ĂŒber die Philosophie der Lodge informiert.

 
AktivitÀten
  • Seele in der HĂ€ngematte baumeln lassen und den Blick aufs Meer genießen.
  • Besuch der Thermalquellen in Termales. Der Eintritt kostet 12.000 COP (Stand: 2016). Ihr mĂŒsst Bargeld mitnehmen und am besten passend. Wie fasst ĂŒberall in Kolumbien, werden selbst bei 20.000 COP schon mal die Augen verdreht und es heißt, man habe kein Wechselgeld: „No tengo cambio.“ Eine Extra-Portion Verwöhnung gibt es ebenfalls. Die Damen bieten Aromatherapien, Schokoladenmassagen und Gesichtsbehandlungen an. 
  • Wanderungen zu WasserfĂ€llen, Surfen, Stand Up Paddling, Tauchen, Kanu fahren – in NuquĂ­ ist man entweder aktiv oder lĂ€sst sich vom lĂ€ssigen Flair anstecken.
  • Walbeobachtungen! Aber nur von etwa Juli bis Anfang November. Dann ziehen die Buckelwale wieder in ihre Heimat, die antarktischen Gefilde zurĂŒck. 

 

Ihr seid neugierig, was ich sonst so in Kolumbien erlebt habe? Weitere Reisetipps und Reiseberichte zu Kolumbien findet ihr hier:

 

nuqui reisetipp kolumbien

 

Ganz herzlich möchte ich mich bei der Eco Lodge El Cantil fĂŒr einen unvergesslichen Aufenthalt bedanken.

Allen voran Mabel, Nana, Placeres und El Negro. 

 

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