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Noch nicht da und schon am Ende – Reisehandbuch fĂŒr Neurotiker [Rezension]

Noch nicht da und schon am Ende Reisehandbuch Hauser

Unter welchen Bedingungen reisen Urlauber eigentlich, die Flugangst, Klaustrophobie oder Lebensmittelallergien im GepĂ€ck haben? Die Reisejournalistin Françoise Hauser beschreibt in 14 Kapiteln Ängste verschiedener Art und wie und wo man ihnen weltweit begegnen kann. Unterhaltsame Anekdoten sowie einige praktische Tipps zur ersten BekĂ€mpfung der Symptome fĂŒhren die Leserschaft von „Noch nicht da und schon am Ende“ an zum Teil sehr ernsthafte Probleme heran.

 

Mit 80 Ängsten um die Welt

Françoise Hauser ist Journalistin mit Reise- und Asien-Schwerpunkt. Als Autorin veröffentlichte sie bereits BĂŒcher wie „In 80 FettnĂ€pfchen um die Welt“ oder „Japan fĂŒr die Hosentasche: Was ReisefĂŒhrer verschweigen“.

In ihrem aktuellen Buch „Noch nicht da und schon am Ende“ widmet sie sich Neurosen, Phobien und UnvertrĂ€glichkeiten, die es Reisenden gar nicht so einfach machen ĂŒberhaupt eine Reise anzutreten. Geschweige denn sich vor Ort so richtig auf das Reiseerlebnis einlassen zu können. 

Insbesondere wenn es in die Ferne gehen soll, steht die Flugangst selbst entschlossenen Reise-Willigen hĂ€ufig im Weg. Immer wieder stehen sie vor der Frage, wie sich die Angst vorm Fliegen ĂŒberwinden lĂ€sst (Kapitel 1).

Erschwert wird das Reisen, wenn sich zur Flugangst Klaustrophobie mischt, die sich nur auf enge RĂ€ume wie Flugzeuge oder FahrstĂŒhle begrenzen muss. Mitunter entfalten sich die Symptome auch zur Rushhour in Tokios U-Bahn, auf einer Zugfahrt durch Indien oder wenn der ICE-Zug der DB Bahn einfach mal fĂŒr lĂ€ngere Zeit „außerplanmĂ€ĂŸig“ in einem dunklen Tunnel stecken bleibt (Kapitel 2).

In diese Reihe der klassischen Ängste reiht sich auch die Höhenangst (Kapitel 3). Wer unter Höhenangst leidet, wird mit den Hochglanz-Fotos von Infintiy-Pools oder Rooftop-Bars nicht viel anfangen können.

WĂ€hrend die oben genannten Ängste schwer greifbar sind und wohl eher psychologischen Ursprungs sind, stellt die Autorin in insgesamt 14 Kapiteln auch Neurosen vor, die tierische, hygienische und geologische GrĂŒnde haben können. 

 

Begegnungen der tierischen Art

Wenn es etwa in der Unterkunft oder noch besser im Hotelbett krabbelt, geht wohl den meisten Urlaubern das Wohlbefinden und der Erholungsfaktor flöten. Dabei ist es egal, ob es sich um Kakerlaken, Skorpione, Bettwanzen oder MĂŒcken, die in subtropischen und tropischen Breitengraden gerne mal allerhand Viren ĂŒbertragen, handelt (Kapitel 6 und 7).

Doch was ist, wenn es einmal wirklich zum Unfall kommt? (In einigen LĂ€ndern ist dies mit Blick auf die Verkehrsstatistik auch gar nicht so unwahrscheinlich). Ja dann kann man eigentlich nur hoffen, dass es nicht zu tragisch ist, der Arzt ĂŒberhaupt kommt oder eine entsprechende Notfallimpfung durchgefĂŒhrt werden kann.

 

„Eine weitere ĂŒbersehene Gefahr ist die Tollwut. [
] In Afrika, SĂŒdamerika und vielen LĂ€ndern Asiens darf man sich nicht darauf verlassen. Ohne sofortige Impfung nach dem Biss, eigentlich eine ganze Impfserie, verlĂ€uft die Tollwut garantiert tödlich. [
] Nach SchĂ€tzungen der WHO sterben jĂ€hrlich rund 55 000 Menschen an Tollwut, die meisten davon in Asien und dort vor allem in Indien. In rund 150 LĂ€ndern gilt die Infektion als eine reelle Gefahr. [
] Übertragen wird die Krankheit meist durch einen Hundebiss, allein in Bangkok soll jeder zehnte Straßenhund mit dem Virus infiziert sein!“ (S.153 ff.)

 

Neben Statistiken und Hinweisen zu möglichen Risiken, stellt die Autorin zu fast jeder Angst, Neurose oder UnvertrĂ€glichkeit auch mögliche Tipps, erste Maßnahmen fĂŒr den Ernstfall sowie weiterfĂŒhrende Literaturquellen vor. 

 

Fazit: Nicht nur fĂŒr Neurotiker geeignet

Viele Reisende beschĂ€ftigen sich Wochen manchmal sogar monatelang mit der genauen Route ihrer Reise, der passenden Auswahl der UnterkĂŒnfte oder beobachten minutiös die Preisentwicklung ihrer LangstreckenflĂŒge.

Was dabei manchmal zu kurz kommt? Na, die richtige Reisevorbereitung. Es mag stimmen, das man manches besser nicht wissen oder nicht allzu sehr ins Detail gehen sollte. Viele Statistiken können einem wirklich die Urlaubsfreude nehmen. 

Dennoch gibt es Risiken, denen man mit etwas Vorwissen vorbeugen kann, um anschließend entspannter reisen zu können. So schadet es meiner Meinung nach zum Beispiel nicht, einen ReisefĂŒhrer zu studieren, der nicht nur hĂŒbsche Bilder zeigt, sondern auch die geographische Lage und die klimatischen und tektonischen Besonderheiten des Landes behandelt. Diese gilt es dann aber auch zu studieren. Dann gibt es auch keine Überraschungen mehr, wenn im gĂŒnstigen Florida oder Mexiko Urlaub auf einmal ein Hurrikane die Stimmung trĂŒbt.

Eine kurzweilige LektĂŒre mit leichter Kost. FĂŒr alle interessant, die mehr ĂŒber mögliche Ängste auf Reisen erfahren wollen. Auch schön, wenn man erkennt, unter welcher Angst man glĂŒcklicherweise nicht leidet.

Wer allerdings unter einer tatsĂ€chlichen Neurose oder sogar einer Phobie leidet, wird hier kaum „Hilfe“ erhalten. Dazu bedarf es dann schon einer psychologischen Betreuung oder tiefgrĂŒndigerer LektĂŒre.

 

Françoise Hauser

Noch nicht da und schon am Ende 

Reisehandbuch fĂŒr Neurotiker

240 Seiten, Taschenbuch

€ 10,00 Euro (D) / € 10,30 (A) / CHF 13,90 (CH)

ISBN 978-3-492-30827-4

PIPER Verlag

www.piper.de

Erscheinungstermin: Mai 2017

Bestellen kannst Du zum Beispiel bei Amazon*

 

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Weitere Rezensionen stelle ich Dir in der Rubrik ReisebĂŒcher, BildbĂ€nde und KochbĂŒcher vor.

 

Der PIPER Verlag hat mir freundlicherweise ein kostenfreies Rezensionsexemplar zur VerfĂŒgung gestellt.

Meine Bewertung ist davon unbeeinflusst.

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