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Sardinien – so schön ist der Westen der Insel!

Ach, Sardinien! Die Insel südlich von Korsika und westlich des italienischen Festlandes hat so unglaublich viel zu bieten und traumhauft schön. Als Ausgangspunkt wählte ich Alghero und erkundete mit einem Mietwagen den Westen von Sardinien. Zu meinen Erinnerungen an Sardinien zählen wunderschöne weiße Strände, bunte Berghänge, Lagunen, Nuraghen und Graffiti, die den Weltuntergang prophezeien. Und weiter: Jede Menge Dolci und ein höllischer Muskelkater beim Besuch Neptuns!

Sardiniens Westen – meine Highlights 

In diesem Beitrag zeige ich euch meine Highlights im Westen der Insel Sardinien. Dazu zählen:

Mittelalter-Flair in Alghero

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Alghero liegt direkt am Meer und ist ein toller Ausgangspunkt für Erkundungen auf der Insel.

Sardinien ist häufiger bekannt für seinen Jetset und luxuriöse Partys rund um die Costa Smeralda im Süden der Insel. Doch ich suchte nach dem authentischen Inselleben und deshalb habe ich mich nach einigen Recherchen für Alghero in der Provinz Sassani entschieden. Die Stadt hat etwa 40.000 Einwohner und wird vor allem von italienischen Touristen besucht.

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Promenade in Alghero.

Als besonders reizvoll empfand ich die mittelalterliche Promenade mit den breiten Festungsmauern sowie das historische Zentrum mit seinen engen Gassen. In der Nebensaison kann man hier ganz entspannt schlendern, doch in der Hochsaison möchte ich mir gar nicht vorstellen wie eng es hier werden kann.

Auf jeden Fall solltet ihr euch mit der spannenden Geschichte Algheros beschäftigen. Was Italienisch war, wurde Katalanisch und wieder Italienisch. Das Hin und Her hat kulturell einige Spuren hinterlassen. Deshalb wird noch heute ein Mix aus Italienisch und Katalanisch, Algheresisch, auf der Insel gesprochen. Damit ist dies, neben Italienisch und Sardisch, die dritte gesprochene Sprache in Alghero | s’Allighera | L’Alguer. 

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Auf Erkundung in Alghero.

Ebenfalls sehr gut gefielen mir die kleinen Boutiquen mit Lederwaren in der Altstadt von Alghero. Je nachdem werden auch Schmuckliebhaber sicherlich fündig. Auch wenn ich mir selbst keine Korallen oder Perlen kaufen würde, scheint der Markt und das Interesse für diese Produkte sehr hoch zu sein. Zwar habe ich mir die wunderschönen roten Korallen gerne angeschaut, doch für mich sind sie unter dem Meer besser aufgehoben.

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Margeriten am Strand

Darüber hinaus bietet Alghero einen wunderschönen Stadtstrand. Da ich erst einige Tage später einen kleinen Mietwagen hatte, um die Insel zu erkunden, war der Stadtstrand ideal um mich schon einmal auf die schönen Strände der Insel einzustimmen. Wenn euch das zu langweilig ist, könnt ihr am Dünenstrand von Alghero, Maria Pia,  in Richtung Norden wandern bis nach Fertilia.

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Stadtstrand oder Karibik?

Ein Abstieg mit Folgen – Grotta di Nettuno 

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Capo Caccia

Schmerzhafte Erinnerungen habe ich an die Grotta di Nettuno. Falls ihr sowieso in Alghero übernachtet, plant unbedingt auch einen Ausflug zur Neptungrotte ein. Diese liegt im Naturpark Parco Naturale Regionale di Porto Conte etwa 20 Kilometer von Alghero entfernt. Ich fahre mit dem Bus (Giardini/Via Catalogna) von Alghero zum Capo Caccia

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Auf dem Weg zur Neptungrotte.

Ein unglaublicher Ausblick erwartet mich: Azurblaues Meer, weiße Kreidefelsen und eine satte grüne Hügel. Der Blick auf das Meer wird mich in der nächsten Stunde stetig begleiten. Schließlich folgt ein Abstieg auf einer steilen Steintreppe von etwa 110 Metern Höhe in Richtung Meeresspiegel. Der Besuch beim „Gott der Meere“ verlangt einige Anstrengungen. Die Sonne knallt schon am Vormittag beständig und die Reflexion der weißen Kreidefelsen kneift in meinen Augen. 650 Stufen später stehe ich am Eingang zur Grotte. Nur noch das tosende Meer überqueren und ich stehe in einer Kathedrale aus Stalagmiten und Stalaktiten. Ein einzigartiger Ort, der mich nachhaltig beeindruckt hat.

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Die letzten Meter auf dem Weg zur Neptungrotte.

Die Rückfahrt ist eine wahre Wellnesstour. Denn ich fahre mit einem motorisierten Segelboot zurück nach Alghero. Für mich die perfekte Kombination denn so kann ich die beeindruckende Szenerie noch einmal auf mich wirken lassen. Und ja, um auch meine müden Muskeln etwas auszuruhen. An den folgenden Tagen spüre ich meine Wadenmuskeln bei jedem Schritt.

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Bootsfahrt von der Neptungrotte zurück nach Alghero

Geheimnisvoll – Nuraghe Santu Antine

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Nuraghe auf Sardinien.

Auf Sardinien gibt es etwa 7000 Nuraghi, runde Steintürme, die aus der Bronzezeit (um 1600 v. Chr.) stammen und deren Zweck bis heute nicht wirklich bekannt ist. Es kann sich um Wachtürme, heilige Stätten oder Versammlungsräume handeln. Geheimnisvoll, oder? Deshalb musste ich mir auch unbedingt eine dieser Nuraghen anschauen. Entschieden habe ich mich für den Besuch der Nuraghe Santu Antine, etwa eine Autostunde von Alghero entfernt. 

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Nuraghen-Komplex

Der Nuraghen-Komplex ist sehenswert. Allzu viel Zeit kann man hier nicht verbringen, denn es gibt kaum bzw. eigentlich gar keine Informationen auf deutsch oder englisch und ich verstehe nur rudimentär Italienisch. Aber gut, man weiß ja auch so wenig über die Kultur, dann braucht man auch nichts hinzudichten und kann die Gebäude und die Landschaft einfach mal wirken lassen.

Reiseführer-Tipp*:

 

Sinis-Halbinsel und die antike Hafenstadt Tharros

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Antike Hafenstadt Tharros

Für mich sehr viel spektakulärer war der Besuch der Halbinsel Sinis in der Provinz Oristano an der Westküste Sardiniens.

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Having a view!

Die antike Hafenstadt Tharros war einst eine florierende Hafenstadt. Beeindruckend ist die breite Straße, der wunderschöne Blick durch die antiken Säulen auf das Meer mit seinen weißen Segelschiffen und die roten Tupfer von blühenden Mohnblumen.

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Ruinen von Tharros

Ebenfalls ein sehr schöner Ort auf der Sinis-Halbinsel, ist die schmale Landzunge am Capo San Marco. Es scheint so, als dauere es nicht mehr lange, bis das Meer das Land bezwungen hat und das Kap an der Südspitze von der restlichen Sinis-Halbinsel abtrennt. 

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Landzunge Capo San Marco

Eine lohnenswerte Wanderung führt, von den Ruinen von Tharros zum Leuchtturm Faro di Capo San Marco. Entspannen könnt ihr dann an den Stränden Caletta del Faro oder Spaggia di Capo San Marco.

Bosa und seine bunten Häuser

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Blick auf Bosa

Als ich von einer Anhöhe auf Bosa zufahre, musste ich einfach anhalten und ein Foto schießen: Rundherum Berge, grün-weiß gesprenkelte Wiesen und dann diese wunderhübschen bunten Häuser am Flusslauf Temo. So schön habe ich mir die kleine Stadt gar nicht vorgestellt. 

Die Stadt ist nur etwa 2 Kilometer vom Meer entfernt und liegt in einem weiten Tal, in dem Olivenhaine und Weinreben wachsen. Palmen säumen die kleine Promenade und kleine Fischerboote schaukeln im Temo. Über der Stadt thront die Burgruine Castello Malaspina. 

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Ein wunderschönes Ausflugsziel: Bosa.

Ich ärgere mich, dass ich mir nicht mehr Zeit mitbrachte, denn in den zahlreichen Gassen von Bosa, lässt es sich herrlich flanieren und verweilen. So gerne wäre ich bei Sonnenuntergang durch die Gassen geschlendert und hätte den Abend in einem Restaurant bei einem Glas Malavisa di Bosa ausklingen lassen.

Orgosolo – ein ehemaliges Banditendorf

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Che in Orgosolo

Obwohl der nächste Reisetipp streng genommen gar nicht mehr im Westen von Sardinien liegt, sondern im Inselinneren, muss ich euch dieses Dorf einfach vorstellen. Denn ein Abstecher ins Bergland von Sardinien ist absolut lohnenswert und von der Westküste aus einfach zu meistern.

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Häusermalerei in Orgosolo

Ihr wollt lernen, wie man Serpentinen mit dem Auto fährt? Check – hier seid ihr richtig! Anders gesagt: Das Motto bei diesem Ausflug stetig und kurvenreich bergauf. Dann kann es auch schon mal passieren, dass es plötzlich anfängt zu schneien, eine Bergziege auf der Straße steht und ein alter Hirte plötzlich am Straßenrand auftaucht. Hier ist alles etwas ruhiger und entspannter. Zudem auch soviel kälter. Im Hochsommer soll es hier richtig heiß werden, was ich mir beim Anblick der grünen Wiesen und des kalten Lüftchens gar nicht vorstellen kann.

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Lenin, Marx & Engels sind nun in Orgosolo zu Hause.

Zeit habe ich leider nur für eine kleine Visite mitgebracht. Dabei habe ich mir vorgenommen Sardiniens ehemaliges „Banditendorf“ anzuschauen: Orgosolo. Spiegel Online widmet dem etwa 4000 Einwohner-Dorf ebenfalls einen Artikel. Die Überschrift: Killer und Künstler. Na denn! Schließlich behaupte ich ja von mir, ich sei Abenteurerin – was soll also schon passieren?

Orgosolos krimineller Ruf

Hier die Fakten, die in meinem Kopf kreisen (nachzulesen hier):

  • 6 Morde pro Jahr (bis etwa 1950) – wurde danach nicht wirklich weniger
  • Todesliste mit 36 Namen wurde an die Kathedrale genagelt
  • Innerhalb von 2 Jahren sterben 20 Bürger auf geheimnisvolle Weise
  • Entführungen
  • An Heiligabend 1998 wird der Priester kurz vor der Christmette ermordet
  • Schüsse auf zwei skandinavische Reisebusse.

Mmh, ja, also … endlich traue ich mich dann doch auszusteigen und mich von meinem Auto zu entfernen, aber in meinem Kopf spielt sich ein knallharter Krimi ab. 

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Graffiti in Orgosolo

Die andere Seite von Orgosolo ist gewaltfrei und wirkt nachhaltiger als jeder Krimi. Auf meiner Entdeckungstour durch das Dorf, entdecke ich zahlreiche Graffiti. Die Häuserwände in Orgosolo zeigen den Widerstand gegen Italien und die Eigenwilligkeit der Dorfbewohner. Sie weisen durch die Malereien auf ihren Häuserfassaden auf die „Revolte von Pratobello“hin, äußern Protest und regen zum Nachdenken an. Dafür ist das Bergdorf ebenfalls bekannt. Und genau dafür liebe ich es! Die anfängliche Vorsicht ist der Neugier gewichen. Ein längerer Aufenthalt im Sapramonte-Gebirge ist für meinen nächsten Sardinien-Urlaub reserviert.

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Ihr habt Lust auf mehr Reisebilder? Hier zeige ich euch noch mehr Sardinien Fotos:

Inspiration für weitere Inselurlaube
Während ich euch meine Reisetipps für Sardiniens Westküste und das Bergland vorgestellt habe, seid ihr nun dran. Wart ihr schon auf der Insel? Was habe ich verpasst? Hinterlasst mir gerne eure Tipps in den Kommentaren!

1 Kommentare

  1. Liebe Sonja! Auch du hast wunderschöne Bilder von Sardinien! Da bekommt man gleich wieder Lust dort hin zu fliegen. Aber nun geht es erst mal nach Südtirol!
    Uns hat besonders gut die Altstadt von Alghero und die Westküste gefallen! Auch Bosa ist absolut ein Besuch wert! Durch die kleinen Gassen mit den bunten Häusern zu schlendern war einfach nur traumhaft schön!
    Liebe Grüße
    Anna

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