4

Lohnt sich ein Ausflug nach Helgoland?

Blick Helgoland Meer

Lohnt sich ein Helgoland Ausflug? Diese Frage habe ich mir häufig gestellt. Lange habe ich gezögert Deutschlands einzige Hochseeinsel inmitten der Nordsee zu besuchen und einen Besuch der Insel Helgoland zu planen.
Schließlich haben mich rote Felsen, nistende Vögel, jede Menge Robben und die bunten Hummerbuden dann doch gelockt. Ein freier Arbeitstag, die Hamburger Landungsbrücken direkt vor der Tür und die Hochsaison hat noch nicht begonnen: Ideale Bedingungen um Helgoland zu erkunden. 

Helgoland Anreise: Die Elbe raus in Richtung Nordsee

Hummerbuden auf Helgoland

Ankunft auf der Insel Helgoland

Mit dem Katamaran Halunderjet geht es von Hamburg nach Helgoland. Der Katamaran verlässt Hamburg um 9 Uhr an den Landungsbrücken und fährt in noch moderater Geschwindigkeit die Elbe rauf. Unsere Fahrt führt vorbei am Hamburger Hafen, Övelgönne, dem bekannten Treppenviertel von Blankenese, Airbus, tollen Strand-Abschnitten rund um Wedel und den vielen Dörfern im Alten Land. Der Katamaran bietet Bordservice und kleine Fernseher, auf denen die Sicherheitshinweise abgespielt werden. Reflexartig checke ich die Notausgänge und wo sich meine Schwimmweste befindet.

Schließlich verlassen den Kontinent und fahren durch das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer hinaus auf die Nordsee. Um uns herum teilen sich Segelboote, Frachter und Windparks die Kulisse. Wenn ich Schiff fahre, möchte ich gerne den Wind um die Nase spüren und die Meeresluft riechen. Das geht auf dem Halunderjet auf dem Außendeck. Bis zu 35,6 Knoten kann der Katamaran zurücklegen (ca. 68 km/h) und das wird auf hoher See auch ausgefahren. Wir befinden uns auf der Autobahn. An romantisches Segeln und herum schippern ist hier nicht zu denken. Die Meeresluft peitscht mir um die Ohren. Nach 3:45 Stunden kommen wir in Helgolands Hafen an.

Der Aufenthalt: Wo geht es zur Langen Anna und wo dösen die Kegelrobben?

Ziel der meisten Besucher - Blick auf das Wahrzeichen Lange Anna

Ziel der meisten Besucher – Blick auf das Wahrzeichen Lange Anna

Nun bleibt uns bis 17 Uhr Zeit bevor wir wieder zurück nach Hamburg düsen. Dank des Hamburger Hafengeburtstags bleibt uns eine halbe Stunde länger als üblich auf der Hochseeinsel. Jetzt aber schnell, denn die Zeit vergeht wie im Flug und entsprechend optimiert ist unser Aufenthalt.

Meine Ziele: Die Lange Anna sehen und Kegelrobben beobachten. Wir verlassen das Boot und folgen dem Weg. Ich lasse mich von den hübschen Segelbooten im Hafen rechts ablenken und bin über den Militärstützpunkt rechts überrascht. Hinter uns taucht auf einmal ein Elektroauto auf. Kaum hörbar. Wie angenehm und wohl auch das einzige Auto auf der Insel. Und dann die Luft. Einmal tief durchatmen. Wow! Die Luft hier ist wirklich klar und rein.

Inselerkundung Helgoland

Möwe auf Helgoland

Möwe auf Helgoland

Auf unserer Inselerkundung kommen wir an den bunten Hummerbuden vorbei. Schön bunt sind sie ja schon. Den Inhalt der Buden habe ich mir etwas anders vorgestellt. Aber so richtige
Vorstellungen hatte ich ja eh nicht. Der Rundweg über die Insel führt vom unteren Helgoland über einen steilen Weg ins obere Helgoland. Hier oben haben wir einen fantastischen Blick über die Insel, den Hafen und die vorgelagerte Düne mit weißen Sandstränden. Am liebsten würde ich sofort umkehren und mich dort für die nächsten Stunden niederlassen. Aber auf Helgoland gewesen zu sein ohne das Wahrzeichen die Lange Anna zu sehen, geht ja irgendwie doch nicht.

Jede Menge Tölpel und ’ne Lange Anna

Lummenfelsen auf Helgoland

Lummenfelsen auf Helgoland

Also geht es mit zahlreichen anderen Tagestouristen auf dem Rundweg weiter. Wir erhaschen einen ersten Blick auf den Lummenfelsen. Hier nisten unzählige Seevögel in den Spalten der Felsen. Laut Wikipedia brüten hier Dreizehnmöwe, Trottellumme, Eisturmvogel, Tordalk und Basstölpel. Die Tölpel erkenne ich direkt. Unweigerlich muss ich an meinen Bootsausflug zu den Ballestas-Inseln denken. Die Trottellummen gehören wohl zu den waghalsigeren Inselbewohnern. Die flugunfähigen Jungtiere suchen das Risiko und springen von den Klippen ins Wasser. No risk, no fun! Und so zieht der sogenannte „Lummensprung“ zahlreiche Naturliebhaber im Juni und Juli nach Helgoland, um dieses Naturspektakel zu sehen.

Die Vögel finde ich faszinierender als die Lange Anna selbst, die die Bewohner sogar aufgegeben haben, da sie sich der Erosion und der Stärke des Meeres hingeben
wird. Auf dem Rundweg überraschen mich die saftig-grünen Wiesen und die darauf grasenden Heidschnucken, die ganz exzellente Rasenmäher sind. Fasziniert bin ich von dem
weiten Blick auf die Nordsee.

Heidschnucke und Blick auf Helgolands Düne

Heidschnucke und Blick auf Helgolands Düne

Uns bleibt noch eine halbe Stunde bis unsere Fähre zur Düne übersetzt. Mittlerweile ist es halb 3 und wir haben Hunger. Es gibt Backfisch mit Remoulade vom Imbiss. Für die
Suche nach einem schönen Sitzplatz oder netteren Ambiente ist keine Zeit. Der Imbissverkäufer ist pragmatisch – genau wie seine Auslage und seine Gerichte. Der Backfisch schmeckt super, von den Pommes bekomme ich höllischen Durst. Imbiss unter Zeitdruck ist nichts für mich und dann ärgere ich mich, dass ich mir nicht mein Essen selbst mitgebracht habe. Imbiss ist eben Imbiss und hier ist es sehr klassisch mit Papptellern und Plastikbesteck. Der Mülleimer direkt neben dem Tisch. Wie funktioniert die Müllabfuhr eigentlich auf der Insel?

Faule Kegelrobben am Traumstrand

Traumstrand mit Kegelrobben

Traumstrand mit Kegelrobben

Wir setzen über auf die Düne. Fünf Minuten, 5 Euro Hin und zurück. Ein Holzweg führt an den Südstrand. Hier sollen die Kegelrobben liegen. Im Winter werden die Robben geboren, meist im Schnee und ohne schützende Fettschicht. Dann hilft nur die fettige Robbenmilch. So
legen die Robbenjungen in kürzester Zeit Gewicht zu und können die extremen Wetterbedingungen überstehen. Bis zu 30 Meter darf man sich den Kegelrobben nähern. Dies kontrollieren Park-Ranger. Ich traue mich gar nicht so nahe ran. Viel zu viel Respekt habe ich vor den Schwergewichten, die dösend und faul am Strand relaxen und dennoch die größten freilebenden Raubtiere Deutschlands sind.

Genau hier stellt sich bei mir zum ersten Mal das Gefühl von Urlaub ein. Wenige Besucher spazieren am Strand entlang, der weiß und karibisch anmutet. Dieser Moment dauert nicht lange, denn über uns sinkt eine Propellermaschine zum Landeanflug. Die Düne ist eben auch Flugplatz. Zeit den Rückweg anzutreten. In 40 Minuten geht’s zurück in Richtung Festland.

Lohnt sich ein Ausflug nach Helgoland?

Helgoland überrascht

Helgoland überrascht

Auf jeden Fall! Doch man sollte nicht zu viel erwarten. Der Charme Helgolands wird sich sicherlich erst jenem Reisenden erschließen, der sich Zeit für die Insel und seine Bewohner nimmt. Ich bringe für meinen nächsten Helgoland Besuch auf jeden Fall Zeit, viele Bücher und meine Campingausrüstung mit.

 

Könnte Dir auch gefallen

4 Kommentare

  • Antworten
    Philipp
    6. September 2016 zu 11:02

    Hallo Sonja,
    tolle Fotos, da kann man die Helgoland-Stimmung fast schon selbst fühlen.
    Sehr schön, ab sofort steht die Insel auf meiner Reiseliste.
    Viele Grüße,
    Philipp

    • Antworten
      Sonja
      9. Oktober 2016 zu 13:43

      Hallo Philipp,
      das freut mich! Wann erkundest du die Insel? 😉
      Ich möchte jetzt im Winter noch mal hin, um mir die Baby-Kegelrobben anzuschauen und ein paar Tage auf der Insel verbringen.
      Liebe Grüße
      Sonja

  • Antworten
    Melli
    2. September 2016 zu 8:59

    nach Helgoland möchte ich auch irgendwann mal, wobei man ist ja bei einem Tagesausflug länger auf dem Boot unterwegs als auf der Insel selbst
    wie teuer ist denn die Fahrt von Hamburg aus?

    • Antworten
      Sonja
      9. Oktober 2016 zu 13:40

      Liebe Melli,
      das stimmt leider! Da ich in Hamburg wohne, war es für mich die günstigste Möglichkeit, um zu schauen, ob die Insel etwas für mich ist.
      Mein Tagesticket mit dem Halunder Jet hat ab Hamburg 78,60 Euro gekostet (Klasse B). Die genauen Preise findest du direkt beim Anbieter. Du kannst auch in Cuxhaven zu steigen. Die Tickets mit dem Boot sind dann etwas günstiger.
      Liebe Grüße
      Sonja

    Antworten