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Griechenland – 12 Stunden in Thessaloniki 

Kooperationen Reiseblog

Nach unserem Roadtrip von Kroatien nach Montenegro und unserer Stippvisite in Albanien, erreichten wir die Grenze Griechenlands. Unser Tagesziel ist Thessaloniki. Mit der Einfahrt nach Europa, erwarteten wir freundliche Griechen, tolles Wetter und super Essen. Irgendwie sollte es anders kommen. Doch der Reihe nach.

Europa ist eine Festung – Grenzbeobachtungen

Auf unserer langen Reise mit dem albanischen Busfahrer und seinen überwiegend albanischen Insassen, haben wir uns an den rasanten Fahrstil, das Kettenrauchen des Busfahrers und die heitere Stimmung im Cockpit gewöhnt. Nach und nach kommen die Insassen zum Busfahrer, halten einen Plausch, bieten Kekse und Zigaretten an. Ich verstehe kein Wort, muss aber innerlich grinsen. Der mürrische Busfahrer kann auf einmal sogar lachen und zeigt seine Goldzähne. Herrlich!

Die Busfahrt führt am wunderschönen Orid-See in Mazedonien immer weiter Richtung Südosten. Je näher wir der griechischen Grenze kommen, desto angespannter wird die Stimmung im Bus. Einige werden unruhig und fangen an zu diskutieren. Was das bedeutet wissen wir nicht, es steckt uns dennoch ein wenig an.

Wir erreichen die Grenze und merken schnell, dass dieser Grenzübergang anders ist. Wir müssen unsere Reisepässe abgeben und aus dem Bus aussteigen. Einige kommen wieder vom Grenzposten zurück. Einige „campieren“ vor der Grenze oder scheinen zu warten, jedoch ohne Auto. Sie wirken „gestrandet“. Darunter sind auch viele bettelnde Kinder mit viel zu großen Schuhen, sofern sie welche tragen, schlechten Zähnen und sehr schmutzigen Händen.

Einreise nach Griechenland

Wir nähern uns dem Grenzposten und werden aufgerufen. Der Ton ist harsch und einschüchternd. Kein Vergleich zu dem herzlichen Empfang in Montenegro oder Albanien. Mein Reisepass wird genau geprüft, etwas zu lange wie ich finde. Ich bin es gewohnt nicht als Deutsche angesehen zu werden, obwohl meine Wurzeln im tiefsten Ruhrpott liegen. Es werden mir Fragen gestellt und ich bin von dem Ton des Beamten überhaupt nicht angetan. Meine Freundin kommt problemlos durch.

Doch im Vergleich zu einigen unserer Mitreisenden hat es uns verdammt gut getroffen. Drei von ihnen werden vor allen Reisenden angeschrien und weggeschickt. Wir wissen leider nicht warum. Wahrscheinlich waren die Ein-/Ausreisen zu häufig oder ein Dokument fehlte (Bitte um Aufklärung, falls einer meiner Leser sich mit der Problematik auskennt).

Danach ist die Prozedur noch nicht vorbei. Gepäckkontrolle. Die hatte ich so intensiv, das letzte Mal auf meinem Weg von Bolivien nach Chile erlebt. Alles raus, gewühlt und wieder abtreten. Grotesk. Nach etwa 2,5 Stunden dürfen wir endlich weiterfahren. Was bei uns bleibt, ist ein mulmiges Gefühl. Willkommen in Europa!

Ankunft in Thessaloniki

Am frühen Abend erreichen wir einen der Busbahnhöfe (KTEL) von Thessaloniki. Gar nicht so einfach den richtigen Stadtbus zu erwischen. Ein netter Erasmus-Student aus Deutschland erkennt unsere Hilflosigkeit bei der Interpretierung der Schrift und sagt uns glücklicherweise wo wir raus müssen – Haltestelle Plateia Eleftherias. Wir erreichen unser Budget Luxury Hotel in Thessaloniki, werden freundlich empfangen und freuen uns beim Anblick dieses Zimmers.

12 Stunden in Thessaloniki und einige Enttäuschungen

Es regnet in Strömen und wir merken erst nun, wie sehr uns der Tag, die Fahrt und die Eindrücke an der Grenze zusetzen. So schaffen wir es nur noch kurz um die Ecke zu einem Restaurant, dass unsere Stimmung im Laufe des Abends immens erhellt. Essen kann manchmal eben die beste Medizin sein, besonders wenn es griechisches Essen ist.

Nach unserem ausgiebigen Essen, können wir noch zu einem kurzen Spaziergang motivieren. Doch es regnet zunehmend in Strömen. Wir werden eben doch alt. Und nach der Pleite in Ulcinj und dem Unterkunftwechsel, freuen wir uns auf eine so schöne Unterkunft.

Nach einer erholsamen Nacht, freuen wir uns auf ein Frühstück mit leckerem griechischem Joghurt, Honig und Nüssen. Dazu müssen wir allerdings das Hotel verlassen und in eine Bar um die Ecke gehen. Nach einem kurzen Plausch mit dem Kellner Akis, geben wir unsere Bestellung auf. Das war gar nicht so einfach, da man aus drei verschiedenen Kategorien wählen muss und sein Englisch unserem Griechisch gleicht.

Frühstück mit schwerer Kost

Dieser Morgen in Thessaloniki wird uns leider vertrübt. Seine Frage „wo kommt ihr her“ und unsere Antwort „aus Deutschland“ passen an diesem Morgen überhaupt nicht zusammen. Seine Antwort war ein schallendes Lachen mit dem Zusatz „I fucking hate Germans“. Auf unsere Frage „Why?“ und „Have you ever been to Germany“ wurde geantwortet „No, I just don’t like them“. Nun gut, jeder darf seine Meinung haben. Im Hotel- und Restaurantgewerbe sollte man jedoch professionell sein.

Nach einem schnellen Frühstück waren wir ganz deutsch und „beschwerten“ uns. Die Beschwerde sah so aus, dass wir wissen wollten, ob dies eine NoGo-Area war, sie so etwas schon einmal hatten oder ob sie schlicht keine Gäste aus Deutschland wollten. Die Rezeptionistin war sehr freundlich. Ihr Vater hatte lange in Berlin gelebt und sympatisierte daher etwas mit uns (vielleicht war sie auch einfach nur professionell). Sie versuchte uns ansatzweise zu erklären, wie die Griechen, besonders auf dem Festland unter der Eurokrise, der Arbeitslosigkeit und den Sanktionen litten und dass Deutschland überwiegend als Sündenbock angesehen wird.

Es tröstete uns zwar nicht, aber wir wissen natürlich auch nicht wie die Medienlandschaft im Ausland aussieht. Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg zum Bus und unserer nächsten Begegnung mit unserem deutschen Reisepass. Wir informieren uns höflich bei der Busticket-Verkäuferin nach Fahrkarten nach Istanbul. Kein Problem antwortet Sie uns auf Englisch, allerdings hat der Bus Verspätung, mehr als eine Stunde, wir könnten also noch etwas kaufen gehen und später wiederkommen.

Nächster Stopp: Istanbul

Nach einer halben Stunde kommen wir zurück und die Frau schreit uns entgegen, wir sollen uns beeilen, ein Ersatzbus ist da und wir sollten doch unser Ticket bezahlen. Jaja schon gut, wir dachten eher der Bus käme in 3 Stunden. Als Sie dann unsere Pässe in den Händen hält und unsere Nationalität sieht, ist die Stimmung komplett hinüber. So finster und unfreundlich war Sie doch vorher nicht. Sie knallt uns unsere Pässe hin und spricht ab da kein Wort mehr mit uns. Also schnell weiter! Wir haben keine Lust mehr und sind froh im Bus zu sitzen.

Hoffentlich sind die Türken uns freundlicher gesonnen. Nach Griechenland zieht uns erst mal nichts so schnell…Schade!

Anmerkung: Meine Eindrücke sind subjektiv und geben meine persönlichen Gefühle und Erfahrungen wider. Sie sollen in keinster Weise verallgemeinernd sein. Schreibt mir also, wenn ihr andere Erfahrungen in Griechenland gemacht habt – ich freue mich immer, wenn negative Erfahrungen durch positive Reiseerlebnisse ausgebootet werden 🙂

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